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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1935-01-01 · 1935 · page 99

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1935
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 99)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721057--098-2727651
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Zusammenfassung 85 1. Sie ergab sich nicht aus der Notwendigkeit, fremde Glaubenslehren der Bibel unterzulegen, wie es die Kirchenväter sowie die Philosophen und die Mystiker der drei biblischen Religionen getan haben. Indem sie biblische Lehren auch da zur Geltung bringt, wo der Wortsinn sie nicht enthält, erweist sie sich — zwar keineswegs im einzelnen, wohl aber im ganzen — als weniger gewagt im Vergleich zur kirchlichen, philosophischen und mystischen Exegese. 2. Wenn man die Allegoristik im allgemeinen als ״verstandesgemäße Erklärung4'46 bezeichnet hat, so trifft diese Kennzeichnung auf die rabbinische Allegoristik nicht zu. Der rationale Einschlag ist hier sehr gering. Dagegen tritt hier hervor, was anderwärts meist zurücktritt: die Freude an der freien Beweglichkeit des Geistes, am Rätsel, am Dämmerlicht der Musion, — dieselben urtümlichen Motive, auf denen, wie wir wissen, die Allegorese beruht47. Im volkskünstlerischen Schaffen der Aggada haben sie sich erhalten, während die das Leben beherrschende Halacha längst zu Klarheit und eindeutiger Begriffsbildung übergegangen ist. Und je weniger ״gewollt" die einzelnen Deutungen sind, je freier sich in ihnen ein tief ernst spielender Formwille48 entfaltet, desto mehr haben sie Anteil an jener Naturfrische, die die Aggada, wie jedes echte Volksschaffen, von der planmäßigen Arbeit des Gelehrten wie des bewußten Volksbildners unterscheidet. Die Erforschung der Eigenart der rabbinischen Allegoristik weist daher über sich selbst hinaus. Sie gewährt einen Einblick in das Kräftespiel archaischer und rationaler Motive, aus dem die gesamte Aggada, diese fast einzigartige Schöpfung gelehrter Volksmänner, sich erklärt — dessen erschöpfende Darstellung aber nur auf viel breiterer Grundlage möglich ist. 48 Gre&maan, RGG I2220. Mit Einschränkung־ trifft diese Kenn- Zeichnung’ auch auf die mystische Exegese zu. 47 S. o. S. 9 f. 48 Den Begriff des •ernsten Spiels in dem hier gemeinten Sinne veranschaulicht bereits R. Guardini in seinem Aufsatz ,,Die Liturgie als Spiel“ (Vom Geist der Liturgie ls52ff.) Aber er bedarf vom Standpunkte des Judentums aus besonderer Behandlung.

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