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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1935-01-01 · 1935 · page 19

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1935
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721057--018-2727571
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§1. Begriffliches. Wer die Anwendung und Auffasung eines Begriffes in einer früheren Kultur untersucht, hat von diesem Begriff auszugehen, nicht von der Bezeichnung, die der Begriff im Kulturkreise des Darstellers gefunden hat. Denn diese Bezeichnung beruht ja bereits auf einer Bearbeitung (Sonderung, Zusammenfassung, Färbung) begrifflicher Inhalte; diese Bearbeitung ist durchaus bezeichnend für die Kultur, in welcher sie vollzogen wurde1; und der inhaltliche Wert der Ausdrücke, zu denen sie geführt hat, darf keineswegs für die darzustellende Kultur vorausgesetzt werden. Sonst entsteht unversehens die Gefahr, daß man unbewußt die eigene Denkweise in die fremde Kultur hineinträgt. Daher ist uns das Wort ״Allegoristik“ nicht mehr noch weniger als ein Hinweis auf einen Begriff, dessen Bezeichnung und Geltung innerhalb der midraschischen Kultur wir zu ermittein suchen2. Ganz verkehrt wäre es, wollten wir von der Feststellung ausgehen, was heute (oder etwa bei den Griechen) ״Allegoristik“ bedeutet, und fragen, ob und wie der Midrasch diesen unseren Begriff verwendet hat. Das wäre nicht nur deshalb unzweckmäßig, weil man gerade unter diesem Kunstausdruck grundverschiedene Dinge verstanden hat3, sondern auch methodisch falsch, weil unsere Aufgabe auch darin besteht, die Verarbeitung der Begriffe zu Kunstausdrücken in der Sprache des Midrasch kennen zu lernen. Denn die Begriffe als solche, im Gegensatz zu den Ausdrücken, gelten freilich für jede Kultur; sie sind ewig, denn sie sind. Dies Zurückgehen auf die Begriffe — natürlich nur, soweit unsere Untersuchung es erfordert — wird auch die Beziehung der Allegoristik zu solchen Erscheinungen deutlich machen, welche ihr innerlich verwandt sind und als ihre Vorstufen gelten können, zugleich aber den Grund für die psychologische Erklärung der allegorischen Erscheinungen legen. 1 Man vergleiche nur die Gegenüberstellung von jtexacpopd und Bild bei Pongs, Das Bald) in der Dichtung I (1927) 23 f. 2 Etwa wie man in der Primätivenforschun g von Kausalität spricht, ohne den Primitiven dien Ka,usalibegriff der heutigen Wissenschaft zuzu״ schreiben. 3 Diese Unklarheit des Begriffes ist auch in der Diskussion über die Gleichnisse Jesu deutlich empfunden worden; vgl. z. B. Bult mann, Gesch. der synoptischen Tradition (1921) 124.

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