Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1934
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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11 Gemeinschaft zu erkennen, auf dem Boden des positiven Judentums weiterzubauen und an die alten Traditionswerte anzuknüpfen. Ich gelobe an dieser Stelle, im Sinne der großen Lehrer dieser Anstalt zu wirken. Möge das jüdisch-theologische Seminar Breslau gerade in dieser Zeit seine Schüler in die Welt entsenden, damit sie der jüdischen Wissenschaft, dem Wissen vom Judentum und dem jüdischen Leben dienen.‘4 In der Erkenntnis, daß eine Intensivierung des Studiums auf den talmudisch-rabbinischen Gebieten dringend erforderlich ist, folgte das Dozentenkollegium den Anregungen des Unterzeichneten und hat eine Vermehrung der Vorlesungen in Talmud und rabbinischem Schrifttum in folgender Weise in die Wege geleitet. In der Mittelabteilung wurden 10 Vorlesungsstunden wöchentlich für Talmud (statt 8) eingesetzt; ebenso wurden in der Mittelabteilung die Vorlesungen über Schulchan Aruch vermehrt; in der Mittel- und in der Oberabteilung kommt je ein Kolleg, Vorlesung oder Uebung, über tannaitische Literatur hinzu. Mit dem gleichen Ziele konnten am Seminar dank der besonderen Förderung seitens des Kuratoriums in den Ferienmonaten März und Oktober Talmudkurse eingerichtet werden, in welchen den Hörern Gelegenheit zu einer geschlossenen intensiven Beschäftigung mit Talmud und Dezisoren gegeben wurde. Da das Universitätsstudium nur einem geringen Teil der inländischen Seminarhörer zugänglich ist, sah sich das Dozentenkollegium veranlaßt, den Lehrplan der Anstalt zu erweitern. Vorlesungen und Übungen über Semitistik, griechische Philosophie, Psychologie und neuere Erziehungslehre wie über Rechtsgeschichte, die in den beiden letzten Semestern gehalten wurden, waren dazu bestimmt, unseren Hörern den Konnex mit einem Teil der allgemein-wissenschaftlichen Disziplinen zu vermitteln. Dabei wurden wir durch Herrn Professor Dr. Guido Kisch, Halle, unterstützt, der sich in dankenswerter Weise zu Gast- Vorlesungen an unserm Seminar bereitgefunden hat. Herr Rabbiner Dr. Simonsohn hat sich auch im Berichtsjahr in uneigennütziger Weise durch Übernahme von talmudischen Vorlesungen uns zur Verfügung gestellt. Wir sprechen ihm hierfür unsem wärmsten Dank aus. Ebenso danken wir Herrn Bezirksrabbiner Dr. Nachum Wahrmann, der in Vertretung des Herrn Dozenten Dr. Zimmels uns bei der Durchführung unseres besonders auf talmudischem Gebiet erweiterten Lehrplans behilflich war. Herr Gustav Glaser, Direktor des jüdischen Wohlfahrtsamtes der hiesigen Synagogengemeinde, hielt auch in diesem Jahre Kurse über soziale Fürsorge ab.