Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1930
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Am Sonntag, den 26. Januar 1930, fand nach dem alten l Herkommen unseres Seminars in Anwesenheit der Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden, der Rabbiner wie der offiziellen Vertreter der Synagogengemeinde und des Rektors der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität die Gedächtnisfeier für den Stifter unserer Anstalt, den verewigten Kommerzienrat Jonas Fraenckel, statt. Der Vorsitzende, Dozent Prof. Dr. Heinemann, erstattete den Bericht über die Tätigkeit des Seminars im abgelaufenen Jahr und verkündete dann das Ergebnis des Preisausschreibens. Im Jahre 1929 wurden 4 Preisaufgaben gestellt. Eingegangen sind 2 Preisarbeiten. Das Thema des Heinrich Graetz-Preises lautete: Die wirtschaftlichen Voraussetzungen der Aufklärungsbewegung in Rußland, Polen und Galizien. Die für dieses Thema eingereichte Bewerbungsarbeit trug das Kennwort : .אם אץ קמח אץ תורה, אם אץ תורה אץ קמח Die Literatur, die sich mit der Erforschung der jüdischen Siedlungen im Osten befaßt, wurde bei dieser Arbeit im weitesten Maße benutzt. In voller Erkenntnis der vielfältigen Voraussetzungen für die Bewältigung der gestellten Aufgabe leistete der Verfasser auch eine Reihe dankenswerter selbständiger Vorarbeiten. Zu diesen wie zur Lösung des ganzen Problems wurden die Ergebnisse eigener archivalischer Forschungen herangezogen. Angesichts der engen Beziehung zwischen der Rechtslage der Juden im Osten und ihrer wirtschaftlichen Betätigung suchte der Verfasser die Eigenart der rechtlichen Normen zu bestimmen, von denen die jüdische Wirtschaft in den Ostländern beherrscht wurde. Die gründliche Kenntnis der geistigen Struktur des Ostjudentums wie seine Vertrautheit mit den geistigen Strömungen des Westens verhalten dem Verfasser zu einem klaren Erfassen der inneren Zusammenhänge zwischen den wirtschaftlichen Bedingungen und den kulturellen Erscheinungen. Die Disposition der Arbeit zeigt Verständnis für klare systematische Anordnung; nur teilweise hat der Verfasser im Streben nach äußerster Vollständigkeit den Rahmen des Ganzen zu sehr erweitert. Die Behandlung archi valischer Quellen beweist indes durchgängig historischen Sinn für das Wesentliche. Dank der reichlichen und dabei überaus vorsichtigen Verwendung urkundliehen Materials gewinnt die Arbeit besonders an Wert und eröffnet neue Ausblicke für den ganzen Komplex der Fragen, die mit der Wirtschaftsgeschichte der Juden des Ostens im 19. Jahrhundert zusammenhängen. Im ganzen ist die Arbeit als eine Förderung des Wissens auf einem von der Forschung bisher nur wenig erschlossenen Gebiete jüdischer Geschichte anzusehen. Neben dem hingebenden Fleiß ist