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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1929-01-01 · 1929 · page 31

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1929
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 31)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721055--030-2726976
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_32 dem Judentum nicht nur Segen gebracht. Zu grell war das Licht, das in das Dunkel des Ghettos fiel. Hatte sich bis dahin das jüdische Denken und jüdische Tim in einem ruhigen breiten Strome bewegt, so kamen plötzlich Zuflüsse von einer Stärke, die den Hauptstrom zu überfluten drohten. Jüdisches Leben, jüdisches Denken, jüdisches Wissen kamen in Gefahr. Aber wie stets in den Stunden der Gefahr kam dem Judentum die Rettung. Es fanden sich Männer, die von dem Bewußtsein durchdrungen waren, daß dem Judentum das Heil nur werden könne, wenn jüdisches Wissen gefördert werde. Aus dieser Erkenntnis heraus verordnete Jonas Fraenckel in seinem Testamente neben vielen anderen Stiftungen auch die Schaffung eines Seminars zur Heranbildung von Rabbinern und Lehrern. Der Erblasser war so weitblickend, keine näheren Ausführungsbestimmungen zu geben. Er überließ vielmehr die Durchführung seines Willens dem Stiftungskuratorium, dem er unbeschränkte Machtvollkommenheit gab. Während unsere Amts- Vorgänger die Vorarbeiten betrieben, erschien in der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums der berühmt gewordene Aufsatz des Dresdner Oberrabbiners Dr. Zacharias Frankel über Gründüng und Wirken jüdischer Seminarien. Eine solche Anstalt sollte nach Frankels Auffassung von dem positiven Gehalt des Judentums in der Gestalt, wie sie eine Geschichte der Jahrtausende ausgeprägt hat, ebenso erfüllt und durchdrungen wie von dem frischen Geiste der wissenschaftlichen Forschung und ihrer Ergebnisse durchweht sein. Das Seminar sollte eine Pflanzstätte für Rabbiner werden, die den Beruf haben, auf dem Boden des positiven und historischen Judentums fortzubauen. Diese Auffassung Frankels machten die Kuratoren zu der ihrigen. Mancherlei Widerstände waren noch zu beseitigen. Aber im Jahre 1854, vor 75 Jahren, war das Werk geschaffen. An der Spitze stand Zacharias Frankel, der führende Lehrer des Talmuds, Heinrich Graetz, der große Historiker, dessen Hauptwerk trotz mancher Anfechtbarkeit immer noch die Grundlage aller jüdischen Geschichtsforschung bildet, Jacob Bernays, der große Philologe, der viel Licht in die Dunkelheiten des klassischen Altertums gebracht hat. Es war ein Dreigestim, wie man es sich glänzender nicht vorstellen kann. Und auch später wirkten Männer von großem Wissen und großer Bedeutung an der Anstalt. Aber der Krieg kam und seine Nachwirkungen. Die Hörsäle wurden leer. In und kurz nach dem Kriege starben die drei Säulen des Seminars kurz hintereinander, Israel Lewy, Marcus Brann und Saul Horovitz. Die wirtschaftliche Grundlage des Seminars entschwand durch die Geldentwertung. Die größte Gefahr schien dem Bestände der Anstalt zu drohen. Aber auch hier kam Hilfe. Lehrer wurden gewonnen, ihre Zahl erhöht, neue Lehrgegenstände in den

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