Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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29 und Vernichtung zurückdrängen. Wir sind es aber dem heutigen Erinnerungsfest schuldig, zumindest ein Wort auch darüber fallen zu lassen, daß der Vernichtungsprozeß, der auf den Weltkrieg folgte, auch das Leben unseres Seminars in seinen Grundlagen erschüttert hat. Dies Heiligtum der Gotteslehre und der jüdischen Wissenschaft befand sich an der Schwelle eines buchstäblichen Chorban; es wurde in schärfster und ernstester Form vor die Frage des Seins oder Nichtseins gestellt. Wie durch ein Wunder wurde diese Gefahr gleichsam in der zwölften Stunde abgewendet. Unser erster Dank gehört Gott. וירא ״ אלהים את האור בי טוב ויבדל אלהים בין האור ובין החשךUnd Gott sah das Licht, daß es gut sei, und Gott hat das Licht von der Finsternis abgesondert“, ferngehalten. Gott hat uns die Rettung geschickt. Aber auch die Mittel und Wege Gottes, auch die Werkzeuge und Boten, deren Gott sich bedient hat, können und sollen nicht unerwähnt bleiben. Denn gerade diese sind es, die dem neuesten כי טוב einen eigenen Sinn geben, eine Bedeutung, die wir nicht verkennen dürfen. Diesmal ist es nicht mehr Einer, nicht mehr ein Einzelner, der uns zu Hilfe eilt, dem die Rettung dieses Heiligtums am Herzen liegt. Diesmal ist es eine Gesamtheit; ich darf wohl sagen, das Judentum selbst. Das Judentum von nah und fern, das Judentum auch der weiten Inselwelt eilt herbei, um die erste Hilfe zu reichen, um das Heiligtum zu retten. — Und in der Heimat selbst, und im engern Zuhause öffneten sich neue Quellen, erwachten neue Kräfte. — Neue Freunde sind erstanden mit neuer Begeisterung, mit neuer Tatkraft. Neue Männer traten ans Ruder mit neuem Vertrauen zur Sache, mit neuen Hoffnungen. Männer, angeregt vom edelsten Eifer für ein neues Schaffen, für eine Neuaufnahme der schweren und schwierigen Bauarbeit. — Das kann und soll auch in dieser Stunde nicht ganz verschwiegen bleiben. Wer die schwere Uebergangszeit von nächster Nähe gesehen, wer sie selbst durchgelebt hat, dem kann es nicht zweifelhaft sein, daß auch in unserer Zeit eine wirkliche Neuschöpfung, ein neues בראש״ת eingesetzt hat; eine Neu- Schöpfung, deren Bedeutung uns um so höher erscheinen muß, als sie sich eng ans Alte schließt und keine Störung bewährter Traditionen nach sich zog. Die Männer von heute zeigten vollstes Verständnis für die Aufgaben und Probleme von gestern, sind den Idealen und Zielen treu geblieben, die die ersten Schöpfer seinerzeit aufgestellt und begründet haben. Diese Treue zur Vergangenheit möge uns auch den Weg in die Zukunft ebnen. Wollen wir noch einen Blick auf den fernsten Punkt, auf das erste בראשית unseres Seminars werfen. In tiefer Demut und aufrichtiger Anerkennung und Dankbarkeit schauen wir auf jene Männer zurück, die die ersten Begründer und