Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1926 (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2720904-2721043--002-2726618- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
-Am Sonntag, den 31. Januar 1926, wurde in herkömmlicher Weise in Anwesenheit der Vertreter der staatlichen, städtischen und synagogalen Behörden sowie der Rabbiner der Synagogengemeinde die Gedächtnisfeier für den Stifter des Seminars, den verewigten Kommerzienrat Jonas Fraenckel, begangen. Der Vorsitzende, Dozent Dr. Heinemann, erstattete den Bericht über die Tätigkeit des Seminars im abgelaufenen Jahr. Zum Schlüsse verkündete er das Ergebnis der für das Jahr 1925 ausgeschriebenen Preisarbeiten. Nur zwei Themata hatten Bearbeitung gefunden. Zum Thema des Israel Lewy-Preises: ,,Das redaktionelle und sachliche Verhältnis zwischen Mischna und Tosefta“ waren zwei Arbeiten eingegangen. Die eine Arbeit, mit dem Motto: גרסה נפשי לתאבה אל משפטיך בכל עת hat folgende Beurteilung gefunden: Der Verfasser geht voraussetzungslos an das Problem heran und baut sein System auf reiner Induktion auf. Die Methode an sich ist wohl nicht neu, aber in Anbetracht der Tatsache, daß sie bisher in der Behandlung talmudischer Themata nicht in erwünschtem Maße zur Anwendung gekommen ist, gewinnt sie in der gegenwärtigen Arbeit eine grundlegende Bedeutung. Eine erschöpfende Analyse von 30 Traktaten, also von genau der Hälfte des ganzen Mischna- und Tosefta-Materials, bildet den Grund, auf dem sich die Untersuchungen des Verfassers aufbauen. Innerhalb dieses Stoffgebietes wurden sämtliche Parallelismen und Divergenzen gebucht und verwertet. Die erschöpfende Vollständigkeit in der Durchführung aller in Betracht kommenden Vergleiche und Gegenüberstellungen verleiht den Ergebnissen des Verfassers ernste wissenschaftliche Bedeutung. Da aber die Analyse bloß die erste Hälfte des Gesamtmaterials umfaßt, so ist es jetzt noch nicht an der Zeit, ein endgültiges Urteil über das Ergebnis zu fällen, wenn auch zu vermuten ist, daß das bisher Gefundene auch in der Analyse der zweiten Hälfte des bezüglichen Stoffkomplexes seine Bestätigung finden wird. Diese Vermutung ist sogar sehr naheliegend; doch zur vollen, wissenschaftlich einwandsfreien Evidenz gehört auch die vollständige Durchführung der zweiten Hälfte der Arbeit, und zwar wäre diese umso begrüßenswerter, als es sich hier um den Aufbau einer Theorie handelt, die manche der bisher mehr oder weniger verbreiteten Anschauungen geradezu umstürzt. Es liegt