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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1926-01-01 · 1925 (1926) · page 118

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1925 (1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 118)
Language
German
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102 hier griechische Geisteskraft die Entwicklung des religiösen Denkens aufs stärkste befruchtet (wenn auch stets nur mittelbar und unter völlig anderen geschichtlichen Bedingungen wie im Christentum) und die Gegenwirkung des Judentums bestimmt. Neben die Erforschung der christlichen Auswirkungen des Griechentums hat daher die der jüdischen Wirkungen zu treten. Die Frage Luzzattos ist aufs neue, zu stellen — aber gemäß dem veränderten Stande der Altertumsforschung. Die Lösung wird ausgehen müssen von geschichtlichen Untersuchungen, die zugleich der Mittlertätigkeit der Syrer und Araber gerecht werden und auch Ausstrahlungen des 'Judentums auf das christliche Abendland nachgehen werden; sie werden die quellenkritische Betrachtung nicht nur im einzelnen zu fördern haben, sondern ihr einen höheren Sinn geben, indem die Aufdeckung großer geschichtlicher Zusammenhänge zu ihrer letzten Aufgabe wird. Die Forschung wird sich nicht auf das Weiterwirken von Begriffen und Lehren beschränken dürfen, sondern auch Methoden und Ausdrucksformen ins Auge fassen, und sie wird auch beachten müssen, daß der tiefe, wenn auch oft ungemein schwer in Worte zu fassende Einfluß der hellenischen Kultur auf letzte Tiefen des Empfindens die Ausdrucksform (man vergleiche nur Mischne Thora und Tur) beeinflussen mußte. Und nicht nur die anregende Kraft des Hellenentums ist zu veranschaulichen, sondern auch die Lebensmacht des jüdischen Geistes, der durch Auswahl, Umbildung und Umdeutung des Übernommenen seine Eigenart zu wahren weiß und in den Unterschieden der Gegenwirkung, wie sie in den verschiedenen Systemen zutage treten, eine Reihe verschiedener Entfaltungsmöglichkeiten zeigt. Aber das letzte Verständnis der Wirkung wie der Gegenwirkung — der allgemein jüdischen wie der individuellen — kann doch nur gelingen durch Besinnung auf die eigentümlichen Werte der beiden Kulturen, deren Wechselwirkung darzüstellen ist. Und so hat der Einblick in ihr Ringen vielleicht noch mehr als nur historischen Reiz — zumal für den jüdischen Forscher, dem die Auseinandersetzung des Judentums und des Hellenismus nicht nur als ein abgeschlossener geschichtlicher Prozeß, sondern 'als eine der bedeutendsten Aufgaben der lebendigen Gegenwart erscheint.

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