Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1925 (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 117)
- Language
- German
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…/2720904-2721045--116-2726611- Visual Library
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mus aufgebauten Kultur1, den gefährlichsten Gegner des Juden• tums und erfaßt so das geschichtliche Problem auch in seiner grundsätzlichen Tragweite für den Juden der neuen Zeit. Die bahnbrechende Forschung der folgenden Jahrzehnte hat das Verhältnis einzelner jüdischer Denker zu ihren islamischen und griechischen Vorgängern erheblich schärfer bestimmt. Aber das Problem Luzzattos verlor sie aus dem Auge. Selbst das Verhältuis eines einzelnen griechischen Systems zum jüdisch-mittelalterlichen Denken wurde nur selten gestreift: die Beziehung von Kultur zu Kultur blieb unerörtert. Inzwischen aber hat die Altertumswissenschaft das Bild der griechischen Kultur erheblich anders sehen lernen2. Nicht nur die Bedeutung der spätgriechischen Kultur — der hellenistischen, wie man jetzt sagte — wurde klar: vor allem traten neben den streng rationalistischen die religiösen, mystischen,, eschatologischen Züge des Hellenentums hervor, also gerade diejenigen Richtungen des Denkens, die den mittelalterlichen Religionen zeitlich und innerlich am nächsten standen und auf sie wirken konnten. Aus dieser Einsicht hat die wissenschaftliche Erforschung des Christentums längst die Folgerungen gezogen. Ja, die Anregung zu den Forschungen, die die neue Erkenntnis brachten, ist zum Teil aus dem Streben nach geschichtlichem Verständnis des Christentums hervorgegangen. Und soviel im einzelnen ungewiß ist: darüber herrscht Uebereinstimmung, daß das Griechentum nicht ״untergegangen'‘ ist, sondern ״eingegangen“ in die mittelalterliche Wissenschaft. Jene Längsschnitte, auf die unsere einleitenden Sätze Bezug nahmen, aber etwa auch manche Zusammenfassungen in Bäumkers Witelo, dienen ganz wesentlieh der Befestigung und Veranschaulichung dieser Erkenntnis. Dagegen hat die judaistische Forschung zwar selbstverständlieh Einzelergebnisse der neuen Altertumsforschung, aber nicht den Wandel des Gesamtbildes ausgenutzt. Und doch hat bereits dieser erste Versuch, den Nachwirkungen einer griechischen Entwieklungslinie im Judentum nachzugehen, erwiesen, daß auch 1 Nach כרם חמד Jll 182 f. gehört zu den Merkmalen des griechischen Geistes, insbesondere des von den Geonim bis Isaak Abarbanel herrschenden Aristotelismus, die Ablehnung überweltlicher Ursachen und eine- Ethik, deren Ziel unsere Befriedigung und unser weltliches Wohlergehen bildet .(הנצת עצמנו והצלחתנו לפי מנהנושלעולם) 2 Noch Joel, Sokrates I 313 kennzeichnet freilich den Rationalismus und Eudämonismus der griechischen Ethik wie Luzzatto.