Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1924 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 109)
- Language
- German
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95 Welt und stellt 50 der Wissenschaft die Aufgabe, mit ihren Be״ griffen dem Geheimnis der Welt gerecht zu werden. Da aber dieses Geheimnis der Welt in der Religion nur im Gefühl der Gottesliebe erfahren, nicht aber intellektuell erkannt wird, darf andererseits nicht die Religion behaupten, selbst die Erkenntnis der Welt zu sein, die vielmehr die Wissenschaft in ihrer freien Begriffs״ bildüng anstrebt. Spencer und Wundt vernichten das Geheimnis der Lebenstiefe, indem sie ein System von Begriffen, das innerhalb eines engen Gebietes der Erkenntnis, der anorganischen Natur, wissenschaftliche Bedeutung hat, zur Norm aller Wahrheitserkenntnis erheben. Dadurch sind sie entweder genötigt, die Probleme der Biologie, Psychologie, Geschichts- und Kulturphilosophie einer gewaltsamen Lösung zuzuführen, oder sich selbst zu widersprechen. Unsere Darstellung suchte zu zeigen, wie Spencer und Wundt beiden Gefahren nicht entgangen sind, und damit zu erweisen, da& der Positivismus, der noch heute weite wissen״ schaftliche Anerkennung geniefet, nicht die methodische Grundlage zur Begründung einer wissenschaftlichen Lebensanschauung gewährt. Diese Kritik des Positivismus aber bedeutet nicht zugleich die endgültige Ueberwindung des naturalistischen Monismus. Im Gegenteil hat gerade die Unzulänglichkeit der positivistischen Wertphilosophie zu einem intuitiven Naturalismus geführt, der mit der strengsten Kritik des Positivismus auf dem Boden der intuitiven Erkenntnis einen naturalistischen Monismus begründet. Die einander wieder entgegengesefeten Repräsentanten des intuitiven naturalistischen Monismus sind Jean-Marie Guyau und Friedrich Niefesche. Diesem intuitiven Naturalismus mufe sich daher nun unsere Darstellung und Kritik zuwenden.