Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1924 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2720904-2721047--018-2726403- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
5 Disiniegration — dieser Ausdrude umfaßt die ganze Reihe der durchlaufenen Veränderungen.“ (W. W. 1. S. 285.) Gleichzeitig mit diesem Uebergang vom Zusammenhangslosen zum Zusammenhängenden aber erfolgt eine zweite Veränderung. Während eine fortschreitende Konzentration des Aggregats vor sich geht, sei es durch größere Annäherung seiner Stoffieilchen innerhalb seiner Grenzen, sei es durch Aufnahme neuen Stoffes, sei es durch beides zugleich, werden die Teile selbst auch verschieden voneinander, verschieden in der Größe oder in der Form, in der Beschaffenheit oder in der Zusammenseßung oder in einigen oder allen diesen Punkten zugleich. Derselbe Prozeß geht mit dem Ganzen und mit allen seinen Gliedern vor sich. Die ganze Masse integriert sich und differenziert sich gleichzeitig von anderen Massen, und ebenso integriert sich jedes Glied derselben und differenziert sich zugleich von den übrigen Gliedern. So ist Entwicklung Uebergang von zusammenhangloser Gleichartigkeit zu zusammenhängender Ungleichartigkeit. (W. W. I. S. 365.) Die Tatsachen der Astrogenie, Geologie, Biologie, Psychologie, Soziologie bestätigen, dag das Geseg der Entwicklung das Geseg der Integration und Differenzierung ist: Die Entwicklung der Gestirne aus der sich verdichtenden gasigen Kugel zu immer größerer Verschiedenheit der sich ablösenden Teile, die Entwicklung der einst feuerflüssigen Erde zur Ungleichartigkeit der erkaltenden und sich differenzierenden Kruste in geologischem Bau, chemischer Zusammensegung, klimatischen Unterschieden, Vegetation, die Ent- Wicklung der organischen Welt in der zunehmenden Differenzierung und Konzentration der Struktur und Funktionen der Organismen, schließlich die Entwicklung des Menschen und der menschlichen Gesellschaft sind ebensoviele Beweise der Wahrheit des Entwicklungsgesefees der Integration und Differenzierung. Diese Entwicklung aber ist zu begreifen aus dem Geseß der Erhaltung der Kraft. Denn jedes ähnliche, gleichartige Aggregat muß infolge der ungleichen Beeinflussung seiner einzelnen Teile durch von außen einwirkende Kräfte seine Gleichartigkeit verlieren. Jeder differenzierte Teil aber ist nicht blos der Sife weiterer Differenzierungen, sondern auch der Erzeuger dieser Vorgänge. Denn dadurch, daß er von anderen Teilen verschieden wird, stellt er einen Ausgangspunkt ungleichartiger Gegenwirkungen gegen äußere Kräfte dar, und indem er so die Mannigfaltigkeit der in Wirksamkeit tretenden Kräfte steigert, macht er auch die erzeugte Kraft nur mannigfaltiger. Wenn nun durch die Einwirkung verschiedener Kräfte Ungleichheiten in der Beschaffenheit der die