Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 92)
- Language
- German
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60 Die Vertriebenen hatten sich nach Mähren, Böhmen und, zum größten Teil, nach den polnischen Grenzgebieten gewandt166, wo sie auf Änderung ihres Schicksals und auf Rückkehr in die liebgewordene Heimat harrten. Das Beharrungsgesetz des Unrechts erwies sich aber stärker als die Mahnung des Rechts. Kurz vor der Besitzergreifung Schlesiens durch Friedrich den Großen verfügte Maria Theresia in einem ihrer wenigen Reskripte an die gestrengen, lieben und getreuen Räte und Kammerherren des Ober-Amtes im Erbherzogtum Ober- und Niederschlesien — am 24. Oktober 1740 — nochmals die strengste Beobachtung des Ab- Schaffungsdekretes167. Das politische Schicksal der Provinz war damals bereits entschieden. Mit ihm das Geschick der Juden in Schlesien. Die zielbewußte Staatskunst, die weitschauende Handelspolitik Friedrichs des Großen lösten die Unsicherheit und Kurzsichtigkeit der Habsburger, der ״lässigen Götter Epikurs“, ab. Auch unter Friedrich dem Großen, für den Recht und Humanität nicht minder als Wirtschaft und Politik die tragenden Pfeiler des Staates waren, wandelte sich das Geschick der Juden nur langsam. Trotz der judenfeindlichen Sentiments des Königs bahnte sich aber in der langen Zeit seiner Regierung, bei vielfachen Wandlungen, eine Neugestaltung des rechtlichen Zustandes der Juden in Schlesien an. Die Sicherung der jüdischen Rechtslage war viel mehr als die Herstellung einer ״billigen Proportion zwischen Christen und Juden“; sie war nicht nur Forderung der Humanität, Gebot der Gerechtigkeit, sie bedeutete einen Dienst am Staate. 166 Bresl. Staats-A. Rep. 13 AA II 21f, f. 406b. 167 Resolution Maria Theresias an das K. O. A. auf Berichte der Judenkommission und des Kommerz-Kollegiums, Bresl. Staats-A. Rep. 16, F. Bresl. II 8f, f. 5—9. -S52- "üTßVj