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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1931-01-01 · 1931 · page 76

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1931
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 76)
Language
German
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IRI
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44 für die Entwicklung der Rechtsstellung der schlesischen Juden^ schaft ist der sichtbare Unterschied zwischen der engherzigen Judengegnerschaft des Breslauer Rates und der vorurteilsfreien, zumeist großzügigen Auffassung des Kommerz-Kollegiums von der Bedeutung der jüdischen Wirtschaft für Handel und Gewerbe in Schlesien. Vorsichtig und tastend waren die ersten Schritte des Kömmerz-Kollegiums bei den mannigfachen Aufgaben, vor deren Lösung es stand. Zum ersten Mal hatte Schlesien eine Wirtschaftliehe Behörde erhalten, die von einer höheren Warte aus das Wohl der ganzen Provinz wahrzunehmen trachtete. In der Sorge für Industrie und Handel des gesamten Schlesiens ließ das Kommerz-Kollegium sich von den Separatinteressen der Breslauer Kaufmannschaft nicht beirren. Getreu seiner Hauptaufgabe, für eine Stärkung des Außenhandels Sorge zu tragen, nahm es im Gegenteil gegen die kleinlichen, egoistischen Praktiken Stellung, durch welche die Breslauer Kaufmannschaft die ausländischen Juden vom Handel in Breslau abschreckte. Da das Interesse des Merkantilsystems, dessen Grundsätze der Wirtschaftspolitik nunmehr als Richtschnur dienten, auf eine verstärkte Einfuhr von Rohstoffen ausging, war das Kommerz-Kollegium darauf bedacht, die jüdischen Händler aus dem Osten vor Uebervorteilung durch die Breslauer Kaufmannschaft zu schützen. Diese Landesinstitution war, anders als die Breslauer Kaufmannschaft, einsichtsvoll genug, um den Zusammenhang zu erfassen, der zwischen einer dem Lande nützlichen Einfuhr und der für die Produktion des Landes lebensnotwendigen Ausfuhr besteht. So erteilte das Kommerz-Kollegium den stolzen Breslauer Kaufherren die zu beherzigende Lehre, daß eine Schädigung der polnischen Juden bei der Einfuhr diese veranlassen müßte, auch bei dem Import nach den Ländern des Ostens andere Produktionsgebiete vorzuziehen116. Fechner, Der Zustand des schlesischen Handels S. 227 f. und Siegfried Tschirschky, Das schlesische Kom merz-Kolleg, Naumburg a. S. 1898 (Diss. Bresl.), S. 38. 116 In seinem Bericht an K. 0. A. vom 20. 4. 1718 (Bresl. Staats-A. Rep. 14 AA VIII 33b, vol. II f. 91 ff.), bittet das Kommerz־Kolleg., dieBreslauer Kaufmannschaft ernstlich zu verwarnen, da zum schweren Nachteil des schlesischen Handels mit Polen diejenigen ״hiesigen Negotianten“ beitragen, die ״den Polnischen Juden öfters unnütze Händel zu machen und ihnen damit die Waren abzudrücken sich Untermaßen“. Auch der Magistrat sei mit schuld, da er, wie das K. K. berichtet, schwere rechtswidrige Handlangen gegen unschuldige polnische jüdische Kaufleute mit seiner Jurisdiktion deckt (ibd. f. 100 ff.). Das Kommerz-Kollegium weist in einem

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