Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1920 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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wrsätm 136 Die griechische Quelle der ״Weisheit Salomos“1 von I. Heinemann Die Quellenkiitik der ״Weisheit Salomos“ ist bei allem Fleiß, der ihr gewidmet wurde, vor der letzten Frage stehen geblieben. Man hat festgestellt, daß der Verfasser, wie die (unten anzuführenden) wörtlichen Zitate aus griechischen Philosophen beweisen, die Philosophie nicht nur, wie die Verfasser der Zauberpapyri2, aus dem verdünnten Abguß populärer Schriftstellerei und Beredsamkeit kennt; man hat weiter die vorsokratischen, platonischen, stoischen Elemente seiner Bildung geschieden. Aber man hat nicht gefragt, woher denn der Schriftsteller zur Kenntnis dieser philosophischen Lehren gelangt ist. Unwillkürlich scheint man vorausgesetzt zu haben, er könne die Stoa nur aus den Werken der alten Schulhäupter, also in ihrer reinen, unvermischten Gestalt, gekannt haben; überdies müsse er also Platon und mehrere Vorsokratiker studiert und die Mischung der Dogmen selbst herbeigeführt haben. Eine solche Vorstellung entspräche aber nicht unseren heutigen Kenntnissen von der Verbreitung der stoischen Handbücher in Laienkreisen und demgemäß von der Arbeitsweise der populären Eklektiker des letzten vorchristlichen und des ersten nachchristlichen Jahrhunderts. Die stoischen Vorlagen, deren sich Männer wie Varro, Cicero, Seneca und Plutarcli bedienen, haben fast durchweg jüngere, mehr oder minder platonisierende Schulhäupter zu Verfassern. Ueberdies scheitert die Vorstellung, daß Ps.-Salomo eine größere Beihe griechischer Denker aufmerksam exzerpiert haben sollte, schon daran, daß dann sein Griechisch, ebensogut wie dasjenige Phiions und des IV. Makkabäerbuches, die Spuren fleißiger Schulung an guten Mustern zeigen müßte, während 1 Diese Abhandlung’ erscheint gleichzeitig als ein Kapitel meines Baches ״Poseidonios5 metaphysische Schritten, I. Teil1‘, Breslau, Marcus, 1921. Da manchmal auf dessen Nachweise mit dem Hinweis ״s. 0.“ Bezug genommen wurde, habe ich die Paginierung belassen. Im ganzen wird die Darlegung, wie ich hoffe, aus sich verständlich sein; über die neuere Stoikerforschung wird sich der Fern erstehende freilich orientieren müssen; es genügt aber im wesentlichen das beiGerhaeusser, Der Protreptikos des Poseidonios, Heidelb. Diss. 1912, zusammengetragene Material. P. bedeutet Poseidonios, La. Diog. Laert. VII; andere Abkürzungen von Titeln sind im Vorworte zu meinem Buch erklärt, übrigens meist aus der Gerhaeusserschen Schrift verständlich. 2 Dieterich, Abraxas 83ff. Ueberdies wird die Analyse von Kap. 13ff. die Benutzung einer literarischen Vorlage beweisen. vin