Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1919 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- – (sequence 56)
- Language
- German
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Das jüdisch-theologische Seminar begeht am 27. Januar zum 66. Male die Gedächtnisfeier für seinen Stifter, den verewigten Kommerzienrat Jonas Fraenckel. Anläßlich dieser Feier soll der Kandidat Herr Dr. Siegbert Pinkus, nachdem er die theologisch ־ wissenschaftliche und die talmudisch - rabbinische Prüfung vorschriftsmäßig bestanden hat, als Rabbiner entlassen werden. Im verflossenen Jahre wurde am 27. Januar der Sterbetag des Stifters in üblicher Weise begangen. Die Festrede hielt Herr Professor Dr. Brann. Außerdem ist zur Geschichte des Seminars im abgelaufenen Studienjahr noch folgendes zu berichten: Die Einführung unseres neuen Kollegen, des Herrn Dr. Heinemann, erfolgte zu Beginn des Sommersemesters durch den Vorsitzenden des Kuratoriums Herrn Geheimen Sanitätsrat Dr. Freund. In seiner Erwiderung versuchte Herr Dr. Heinemann anzudeuten, wie jüdische Lehre und jüdisches Leben sich wechselseitig befruchten können und müssen. Zwar sei die unentbehrliche Grundlegung jedes Eindringens in die Ueberlieferung, das grammatisch־lexikalische Verständnis, auch ohne innere Anteilnahme möglich. Höher aber stehe die Stufe des ,,Anschauens“ im Goetheschen Sinne: vollkommen ״begreifen“ können wir nur Geister, denen wir gleichen, jüdische Denker also nur auf Grund des eigenen jüdischen Bewußtseins, dessen Niederschlag ihre Leistungen darstellen. Aus solchem einfühlenden Verstehen entspringe aber der Wunsch, sich in eigenerArbeit an die Meister zu reihen, gleich ihnen Welle zu werden im Strome des Judentums. Das Seminar zählt gegenwärtig 17 Hörer und 4 Gastzuhörer. Neu eingetreten sind die Herren: Erwin Fischer aus Krakau, Gabriel Ha gl er aus Dzwinierzgomy (Galizien) und Kurt Wilhelm aus Magdeburg.