Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1916 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- – (sequence 63)
- Language
- German
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XCVT B. Zülzer Grabschriften. Ein vergleichsweise günstigeres Schicksal als den verewigten Glogauern war den lieimgegangenen Zülzer Juden beschieden. Der Eriedhof, den die Gemeinde — der genaue Termin ist nicht überliefert — erwarb und anlegte1), blieb in ihrem ungeschmälerten Besitz, und die Buhe der Toten ist durch gewaltsame Eingriffe niemals gestört worden. Da die Erwerbsverhältnisse in Zülz ungleich schwieriger als in G log au waren, wird man annehmen dürfen, daß nur selten dauerhafte steinerne Denkmäler haben errichtet werden können. In der Tat sind sehr zahlreiche Gräber, wie ich bei meinen wiederholten Besuchen festgestellt habe, ohne jede Bezeichnung. Umso erwünschter wäre der Besitz von Totenlisten und Gedenkbücher gewesen, wie sie uns in Glogau erhalten sind. Noch vor 30 Jahren waren solche, wie ich bezeugen kann, wirklich vorhanden. Eine Totenliste und vier Gedenkbücher habe ich durch die freundliche Vermittelung des inzwischen verstorbenen Lehrers Baß, der zuerst in Zülz und später in Neustadt (starb 28. Mai 1892 in Neustadt) im Amte gewesen ist, benutzen können. Alle diese Altertümer sind seitdem spurlos verschwunden, und ich bin ganz auf meine damals angelegten Auszüge angewiesen. Hier gebe ich die Auf- Zeichnungen wieder, die ich mir seiner Zeit über die Handschriften gemacht habe. Es lagen mir vor: 1. Eine Totenliste in Eolio, ein Verzeichnis der jährlichen Sterbefälle von 1710—1866, offenbar nach guten, alten Vorlagen angelegt. Da bis etwa 1792 die Eintragungen von derselben Hand herrühren, so ist es wahrscheinlieh in diesem Jahre begonnen und nachher von verschiedenen Beamten weitergeführt worden. Schon als es in meinen Händen war, war es durch Fäulnis und Mäusefraß arg beschädigt. 2. Ein Gedenkbuch in Quart mit dem Titel: זה הפנקס שייך להחברא קדישא דהלבשות (!) ערומים (auf deutsch: Dieses Buch gehört dem Armen-Bekleidungs- Verein), elf Blatt Pergament, in Pappband mit Lederrücken. Das Datum der Anlage ist nicht angegeben, es ist aber etwa 180 Jahre alt und stammt wohl aus den Jahren 1730—1740. Die Eintragungen rühren von verschiedenen Händen her. 3. Ein ebensolches Buch, beginnend mit den üblichen Gelegenheitsgebeten, achtzehn Blatt in Quart. Auf dem letzten Blatt ist das Jahr der Anfertigung, wie folgt angegeben: מה מתוק לחכי מדבש יערות וגמרתי ואסיים ספר הזכרה לפרט בלע המות לנצח ומחה ה׳ דמעה מעל כל פנים Es ist demnach die Liste 5543 1783 angelegt. Die Eintragungen darin sind bis auf die Gegenwart fortgeführt. Der zuerst Genannte ist der Rabbiner R. Moscheh Me 11 achem, נ) Er liegt an einem Abhang, dem sogenannten Kopietz, an der Landstralie, die von Zülz nach GroU-Pramsen führt. Einen Blick auf das Idyll dieses Eriedliofes gewährt die Abbildung, die ich Herrn Kommerzienrat Max Pinkus in Neustadt OS. verdanke und auf Tafel XXVII des zweiten Bandes der Schlesischen Landeskunde (Breslau, 1910) veröffentlicht habe. Vgl. meine Abhandlung das. S,!34, 13().