Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1916 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- – (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2720904-2721033--57-2725990- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Głogów 1× ep/1047915
OCR text
Anhang VIII. Hebräische Grabschriften schlesischer Juden aus dem 17. und 18. Jahrhundert. A. Glogauer Grabschriften In einem erstaunlichen Mißverhältnis zum Alter und zur Größe der Gemeinde steht die verschwindende Anzahl der erhaltenen Grabdenkmäler. Dieser beklagenswerte Umstand hat seinen wesentlichen Grund in der Tat- Sache, daß die Bodenverhältnisse in der näheren und weiteren Umgebung der Stadt bei deren Befestigung, sowie bei den wiederholten Belagerungen und Eroberungen mannigfache und sehr weitgehende Veränderungen erfahren haben. So gründlich und umfassend waren die dadurch hervorgerufenen Verschiebungen, daß die Lokalforscher noch immer nicht mit Sicherheit haben feststellen können, wo sich vom 13. Jahrhundert an der älteste Judenfriedhof befunden hat1). Den im Jahre 1622 im Zehnthof bei der Zehner-Scheune zum gleichen Zweck erworbenen Platz2) haben die Juden dann wenige Jahre später auf Befehl des Grafen Montecuculi beim Anfang des Pestungsbaues im Stich lassen müssen, wobei freilich anzunehmen ist, daß wenigstens ein Teil davon weiter benutzt worden ist. Erst 1666 wurde ein neuer dritter Begräbnisplatz unweit des Stadtgrabens in der Nähe des Schießhauses und der Oder und ganz nahe am jetzigen Bahnhofsgebäude angelegt und allmählich3) durch den Ankauf einiger benachbarter Grundstücke erweitert4). Nahezu zwei Jahrhunderte wurde er als Eriedhof benutzt. Aber das wechselnde Schicksal der Stadt gönnte auch hier den toten Juden nicht ihre lluhe. Am 10. Dezember 1740, vor der Belagerung der Festung durch die Preußen, wurde die ganze Anlage dem Erdboden gleich gemacht5), und am 23. Juli 1813 wurden Hunderte von Leichensteinen vom jüdischen und benachbarten evangelischen Begräbnisplatz zum Festungsbau verwendet6). Endlich mußte ein Teil des jüdischen Friedhofs, um den Anschluß der Glogau—Lissaer an die niederschlesische Zweigbahn herzustellen, durchschnitten werden. Es wurden darum in der Zeit vom 12. März bis Ende Mai 1857 über 300 Leichen ausgegraben und nach dem ב) Vgl. oben S. 84, Berndt, Juden, S. 14. 2) Berndt a. a. O., S. 2U. 3) In den Jahren 16S5, 1716 und 1721. 4) Vgl. über alles das Bernd t, a. a. 0., S. 42. 5) Blaschke, Geschichte der Stadt Glogau und des Glogauer Landes, S. 850. e) a. a. O. S. 454. Vgl. die von Raphael Löbel Munk, dem Vater des Prof. Eduard Munk, veranlaßte Aufzeichnung (ms. lv, s. 859): בשנת תקע״ג כאשר באה העיר במצוק שברו והשחיתו אנשי המלחמה את כל מצבות קברי ישראל והיום התנדב האלוף הקצין פו״מ כה״ו רפאל ליב בכ״ה ישעי׳ מונק נחד (!) הנכבד הטמון פה והקים המצבה החדשה הזאת על קבר אבי אבי אביו זקנו לכבוד אבותיו יום * ״. תקע" ז לפ״ק