Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1915 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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19 Seelischen zur vom Physischen gesonderten, freien Existenz der substanziellen Seele verdichten. Die immer reichere Erkenntnis des innigen Zusammenhanges psychischer und physischer Funktionen, die klarere Unterscheidung zwischen beobachtbaren Tatsachen und Hypothesen, eine genauere Sichtung wissenschaftlich zulässiger, weil der Forschung dienlicher und leerer Hypothesen hat die Unsterblichkeitslehre aus dem Bereich möglicher Erkenntnis entfernt. Auch die Übertragung des physikalischen Grundsatzes von der Erhaltung der Energie auf das Psychische findet in der Erfahrung keine Stütze. Eein und ausschließlich in der Kraft der religiösen Gewißheit, daß sittlich Wertvolles, daß seelisches Sein der Obhut Gottes untersteht und kein Geschehen die Macht Gottes zu begrenzen vermag, hat die jüdische Eeligion den Unsterblichkeitsgedanken geschaffen und bewahrt. Das nicht Erkennbare wird Gewißheit in der Überzeugung, daß die Seele des Menschen, wie zum Erleben des Ewigen zum ewigen Leben geschaffen ist. Ebendarum, weil nicht Spekulation, sondern Ehrfurcht und Liebe den Unsterblichkeitsgedanken geschaffen haben, sind der jüdischen Eeligion alle konkreten Vorstellungen über das Leben jenseits des Todes fremd. Kur das Eine aber ist ihr gewiß, daß das Leben nach dem Tode ein Leben mit Gott bedeutet. Schluß. Nach schweren Kämpfen erst errang die Eeligion in der Gegenwart wieder ihr Eecht, eine Wahrheit zu verkünden, •die über die erfahrbare Wirklichkeit hinausgreift. Es bedurfte der Tiefe des Widerstreites von Wissen und Glauben, um in umfassender Erkenntnis Wissenschaft und Eeligion in der Verschiedenheit ihres Sinnes zu erfassen. So gewiß es eine Kulturauf gäbe der Menschheit ist, die Wirklichkeit in ihrer erweisliehen Gesetzlichkeit zu erkennen, kann nie die Menschheit auf Wissenschaft allein ihr Leben gründen. Denn wofür der Mensch sein Leben einsetzt, wenn es Sinn und Wert haben soll, die Idee des Guten wird nirgends von der Wissenschaft als entscheidende Macht der Witklichkeit festgestellt. Doch vertraut der der Idee sich weihende Mensch auf den Sieg des Eechts und der sittlichen Wahrheit. In der Kraft und Tiefe des religiösen Erlebens des Guten als Offenbarung Gottes erfüllt die Seele die Gewißheit, in der Welt der Endlichkeit