Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1913 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- – (sequence 93)
- Language
- German
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5 Am 28. September legte Herr Seminar-Rabbiner Professor Dr. Lewy nach § 3 des Regulativs den Vorsitz im Kollegium nieder, worauf ihn der Unterzeichnete übernahm. Am 12. Oktober, dem Schlussfest, wurde in der Predigt das Andenken des Seminarrabbiners Dr. Joel und des Professors Dr. Graetz s. A. besonders hervorgehoben. Die Predigt hielt Herr Dr. Krakauer. Am 19. Dezember, am Sabbat des Chanukkafestes, wurde in der Predigt der verewigten Dozenten Dr. Zucker mann und Dr. Rosin gedacht. Herr Dr. Pinkus hielt die Predigt. Wie auf das ganze deutsche Vaterland hat der Weltkrieg, in den wir gestürzt worden sind, auch auf unsere Anstalt seinen Einfluss ausgeübt. Am 5. August, an dem von Sr. Majestät angeordneten Bettage, haben wir in unserer Synagoge eine ausserordentliche Andacht abgehalten. Schon am ersten Mobilmachungstage folgte unser neugewählter Kollege, Herr Dr. Lewkowitz, dem Rufe zu den Fahnen. Mitte November ist er durch Verleihung des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet worden. Seine Vorlesung über moderne Religionsphilosophie musste im Wintersemester ausgesetzt werden. Mit der Vertretung bei seinen übrigen Vorlesungen wurde der Seminarist, Herr cand. phil. Ochs, betraut. Von unsern ehemaligen Hörern haben sich einige der deutschen Heeresverwaltung zur Feldseelsorge zur Verfügung gestellt. Es sind Herr Rabbiner Dr. Baerwald in München der VI., Herr Rabbiner Dr. Italiener in Darmstadt der VII., Herr Rabbiner Dr. Lewin in Leipzig der III., Herr Rabbiner Dr. Wilde in Magdeburg der VII. Armee überwiesen worden. Auch in der österreichisch-ungarischen Armee sind einige frühere Hörer unseres Seminars, die Herren Rabbiner Dr. Golinsky in Pilsen und Rabbiner Prof. Dr. Reach in Prag als Feldgeistliche tätig. Von unseren Kommilitonen sind ebenfalls sieben dem Rufe zu den Waffen gefolgt. Zu unserem Schmerze erfahren wir kurz vor dem Abschluss dieses Berichts, dass einer von ihnen, Herr Dr. Alfred Zweig aus Eichenau in Oberschlesien, auf dem östliehen Kriegsschauplätze den Tod für das Vaterland erlitten hat. Seit dem Sommersemester 1909 hat er unsere Anstalt besucht und ist einer unserer fleissigsten und strebsamsten Hörer gewesen.