Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1912 (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
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33 '1 Die erfreuliche Tatsache, dass hier und überall im preussischen Vaterlande derartige in keiner Weise durch Staatsmittel hervorgerufene oder auch nur geförderte gemeinnützige Anstalten entstehen und gedeihen konnten, hat ein gewisses berechtigtes Selbstbewusstsein in der Gesamtheit der Glaubensgemeinschaft hervorgerufen und berechtigt zu der frohen Zuversicht, dass auch in Zukunft alle noch so fein ausgeklügelten Künste der Diplomatie nicht imstande sein werden, unsere religiöse und nationale Geamtheit zu zersetzen und zu vernichten. Sie ist auch ein erneuter Antrieb gewesen für unsere jüdischen Mitbürger, ihre Kräfte mit Eifer und Hingebung der Förderung des Gesamtwohls zu widmen. Nichtsdestoweniger ist durch eine Reihe unberechenbarer Vorgänge im modernen Staatsleben das gänzlich Unerwartete in der Gegenwart noch einmal Tatsache geworden. Gerade der bewundernswerte Aufschwung und die erstaunliche Tatkraft, mit der seit einem Menschenalter in freiheitstrunkener jugendfrischer Begeisterung die Juden auf allen Gebieten des wissenschaftlichen, künstlerischen, gesellschaftlichen und politischen Lebens die Ebenbürtigkeit ihrer geistigen Begabung zur Geltung und Anerkennung gebracht haben, hat noch einmal im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts niedere Vorurteile und kleinliche Leidenschaften gegen sie erweckt. Dazu kam, dass die deutsche Nation in dem stolzen Bewusstsein der durch ungeahnte kriegerische Erfolge gegen die grossmächtigen Nachbarn bewährten, stolzen Kraftfülle von einer grenzenlosen Schwärmerei für reines und unverfälschtes Deutschtum erfasst ward, und sich ausschliessend und feindselig gegen die Mitbürger anderer Abstammung wendete und unter der neuen Fahne des-Antisemitismus einen Kampf gegen angebliche jüdische Ausschreitungen begann. So traurig es ist, dass diese betrübende Bewegung die rohen Instinkte der Volksleidenschaft neu aufgestachelt und von neuem Abfall und Treulosigkeit in grösserem Massstabe in unseren Reihen hervorgerufen hat, so wenig ist im Ernste zu befürchten, dass dieser kulturfeindliche Rückschlag einen bleibenden Sieg gewinnen könne. So erfreulich ist es aber auch andererseits wahrzunehmen, wie gerade zur Abwehr des Unrechts neue grosse Vereinigungen entstanden sind, die zusehends an Ausdehnung, Macht und Einfluss gewinnen. Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der Deutsch-Israelitische Gemeindebund, und allen voran der Verband deutscher Juden, sind mit Einsicht und Tatkraft, mit Würde und Unerschrockenheit darauf bedacht, in der Oeffentlichkeit jedes der Ge-