Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1909
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Einleitung. Unter Kalam versteht man die Dogmatik, die scholastische Theologie der Araber, deren Anfänge man ungefähr in das erste Jahrhundert nach der Ausbreitung des Islam setzt. Die Vertreter des Kalam, die Mutakallimun, bilden einen Gegensatz sowohl zu den Philosophen im engeren Sinne, den arabischen Aristotelikern oder Neuplatonikern, wie Al-Farabi, Ibn Sina, Ihn Rosd, wie auch zu den Fukaha, den Rechtsgelehrten, die sich mit der Gesetzesauslegung des Islam befassen1). In letzterer Beziehung heisst es, dass die Mutakallimun sich mit den Wurzeln des Glaubens (den ’Usul), das ist mit den Grundlehren beschäftigen, während die Fukaha es mit den Zweigen (den furu‘) zu tun haben. Wann der Name Kalam zuerst in diesem Sinne gebraucht wurde, und ebenso die ursprüngliche Bedeutung des Namens, lässt sich nicht mit Sicherheit bestimmen. Nach einer Stelle bei Sahrastani hat es den Anschein, als ob der Name Kalam zuerst in den Tagen Mamuns aufgekommen wäre, als die Mutazila mit der griechischen Philosophie bekannt wurden und ihre eigene Methode mit der der Philosophen verbanden2). An einer anderen Stelle bezeichnet er als die Glanzzeit des Kalam die Zeit des Harun Al-Rasid und seiner nächsten Nachfolger3). Haarbrücker will nun die erste Stelle dahin verstehen, dass durch das Bekanntwerden der späteren Mutazila mit der griechischen Philosophie der Kalam, welcher bis dahin ohne eigentliche svstematische Form war, zu einer eigenen Wissenschaft des Kalam um- ג) Sachau in den Sitzungsberichten der Kaiserl. Akademie der Wissensch. zu Wien philos.-hist. Klasse, Bd. 65, 1870, S. 711, hält es für wahrscheinlich, dass in der älteren Periode, etwa bis 200 d. Hegra, der Ausdruck *JÖ nicht ״Jurisprudenz“, sondern Glaubenslehre bezeichnete, demnach mit Kalam identisch war. 2) Sahrastani S. 18. 3) Sahr. S. 19. Vgl. auch Ibn Haidun Mukkaddama Beyrut 1900, S. 463 ff.