Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2720904-2721003--37-2725326- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
140 Die Geschichte der Juden in den Herzogthümern Breslau, Schweidnitz, Jauer, Liegnitz und Brieg ist damit vorläufig zu Ende. Auf Jahrhunderte hinaus mieden die Juden das von Blutschuld befleckte Land. Selbst den damals berühmten Breslauer Messen1), die Jedermann ohne Unterschied des Glaubens und der Abstammung zugänglich waren, scheinen sie Jahrzehnte lang fern geblieben zu sein2). Erst im neunzehnten Jahrhundert entstanden allmählich hie und da neue Ansiedelungen, gering an Seelenzahl und Leistungsfähigkeit. Nur an wenigen Orten ist in den letzten Jahrzehnten ein gesundes und kraftvolles Gemeindeleben erblüht. Wohin die ins Elend Gejagten entronnen sind, ist nicht bekannt3). Mitleid und Erbarmen war ihnen nur bei ihren Brüdern gewiss. Hier fanden sie sicherlich, wohin immer sie kamen, Aufnähme, Pflege und Unterstützung. In Böhmen schrieben die Juden unter sich eine Kopfsteuer aus, deren Ertrag den Flüchtlingen zu Gute kommen sollte. So fielen die nachdrücklichen Ermahnungen zu thatkräftigem Gemeinsinn, die der Judenmeister von Regensburg, R. Israel Bruna, Angesichts der schlesischen Gräuel ergehen liess, auf fruchtbaren Boden4). Kaum vier Monate nach der letzten Begnadung, die den Schweidnitzern in der Juden-Angelegenheit zu Theil geworden war, erkrankte plötzlich der junge König, der bisher ein Bild der Kraft und des Lebens gewesen war. Zwei Tage später, am 23. November 1457, war er eine Leiche5). Der Streit um sein Erbe brachte schwere Gemälde nur in einem Nebensatze, S. 8, und Lutsch, Kunstdenkmäler Schlesiens (Breslau 1886—1894, 4 Bände) scheint es überhaupt nicht zu erwähnen. *) Vgl. Grünhagen I, S. 400 ff. 2) Von c. 1460 bis c. 1520 findet sich in Breslauer Urkunden so gut wie nichts über Juden. 3) Breslauer Flüchtlinge sollen die am 6. Januar 1444 abgebrannte Stadt Gross-Wartenberg, wie Gomolcken, Poln.־Wartenberg, S. 11. 36, wissen will, wieder aufgebaut haben. Anderweitige Nachrichten darüber fehlen. Vgl. Kurts, Denkwürdigkeiten aus der Geschichte der Stadt und der Standesherrschaft Wartenberg, S. 22 und oben S. 27, Anm. 7. 4) RGA , Nr. 267 (ed. Stettin Nr. 268 ed. Salonichi). Uebrigens traf damals auch die mährischen Juden schweres Missgeschick. König Ladislaus vertrieb nämlich die Juden auch aus Olmütz (22. Juli 1454), Brünn (27. Juli 1454), Znaym und Neustadt (Scherer, S. 421). 5) Das Gerücht von seinem gewaltsamen Tode war auch dem Verf. d. LJ. (II, 17) bekannt. Er erzählt, dass im Sommer 1457 in Wiener Neustadt ein Komet mit einem ca. 2 Ellen largen Schweif sichtbar war. Lange wollte Meister Iserlein ihn nicht ansehen. Dann stieg er doch auf den Thurm in der Judengasse und sagte: ״Der Schweif zeigt nach Wien“. In dem Jahre wurde dem König in Prag, dem