Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 81)
- Language
- German
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75 Verbreitung, sondern selbst die ältesten Ansichten der vorsokratischen Philosophie wurden hervorgeholt und feierten ihre Auferstehung unter den Juden. Thaies, Amaximenes und Heraklit hatten ihre Anhänger, die für die Anschauungen jener alten Philosophen die Bestätigung im Bibelworte suchten und fanden. Gegen alle diese verschiedenen Richtungen wollte Saadia ankämpfen, und daher kommt es, dass der Schwerpunkt seiner Philosophie in die Polemik fällt Er versteht es weit besser, die Schwächen der Gegner aufzuspüren und ist viel geschickter in der Auffindung von Ein würfen und Gegenbeweisen als in der positiven Begründung seines eigenen Standpunktes. So sehen wir ihn auch in der Psychologie nachdrücklich gegen die materialistischen Anschauungen ankämpfen, die geeignet sind, den Glauben an die Unsterblichkeit zu erschüttern. So polemisirt er nicht ohne Geschick gegen die Anhänger der Seelenwanderung, während die Ausführungen, in denen er seine eigene Ansicht begründet, überall bei Weitem schwächer ausfallen. Bei der grossen Belesenheit und umfassenden Bekanntschaft mit den verschiedensten Systemen, die er überall zeigt, fällt es besonders auf, dass er die Bedeutung der Nerven für die Wahrnehmung gar nicht gekannt zu haben scheint oder aus irgend einem nicht auffindbaren Grunde mit x^bsicht ignorirt hat. x\uch sonst zeigen sich manche Lücken und Dunkelheiten, auf die wir bereits hingewiesen haben. Auf die Entwickelung der Psychologie bei den späteren jüdischen Religions- Philosophen hat Saadia wenig eingewirkt. Sein Einfluss nach dieser Richtung hin zeigt sich zumeist nur in der Behandlung einiger einschlägiger exegetischer Fragen, so z. B. in der Erklärung der Namen von נפש ,רוח ,נשמה und in der Auffassung der wichtigen Stelle von Kohelet 3. 21. In den meisten übrigen Stücken sind die späteren Religionsphilosophen ihre eigenen Wege gegangen.