Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1897
- Date
- 1897-01-01
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
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78 Lob und Ehre des heiligen Leichnams1). Zugleich gab er zur Verwirklichung des löblichen Zweckes den Judenkirchhof ״zu Hülfe״. Schon im Frühjahr 1390 wurde ״den Knechten, welche an der Synagoge arbeiteten״, auf deutsch: ״welche sie zerstörten״, aus der Stadtkasse Lohn gezahlt2). Die Kapelle zum hl. Leichnam aber mit zwei Altären darin, die der Herzog dem hl. Christophorus und der hl. Barbara geweiht wissen wollte, ist niemals erbaut worden, und zwar aus dem sehr einfachen Grunde nicht, weil sie viel Geld gekostet hätte. Der Platz in der Langegasse, wo die Synagoge gestanden, ist vielmehr bis auf den heutigen Tag leer geblieben und heisst noch jetzt ״der Judenring3 ״). Was aus den Juden geworden ist, wissen wir nicht. Der Zank über ihr Eigenthum aber zog sich bis ins siebente Jahr hin. Erst 1396 kamen die mit Beschlag belegten Häuser endgültig zur Vertheilung4). In demselben Jahre schied Herzog Johann, der einzige Fürst, der in der Geschichte den Namen eines Herzogs von Görlitz geführt hat, und zwar, wie man sagte, gewaltsam durch Vergiftung aus dem Leben5). Nach kaum vier Jahrzehnten aber, mitten in den Nöthen der Hussitenkriege, erbaten und erhielten die Görlitzer Rathsherren, als die Finanzen der Stadt völlig darniederlagen, vom Kaiser Sigismund die besondere Gnade, ״zu ihnen zu nehmen und in ihrer Stadt zu halten, zwölf oder minder, wie ihnen das füglich sein würde, Juden mit ihren Weibern und Kindern6). Dass sich damals welche zugefunden hätten, wird uns nicht berichtet7).״ Die Juden mieden vielmehr von nun an die Stätten, an denen so schnöde Gewalttaten an ihnen verübt worden waren. Die zeitgenössische jüdische Litteratur weiss von allen diesen Vorgängen und ihren Folgen nichts zu berichten. Nur der etwas verx) Oberl. Urk.-Verz. I, 128, No. 685. Bei Knothe a. a. 0. lies: 1889. Scheltz, S. 27. 2) Knothe, S. 64. 8) Knothe a. a. O. 4) Oberl. Urk.-Verz. I, 690. 691. Knothe a. a. O., S. 65 f. ף Scheltz, S. 40 f. 6) Oberl. Urk-Verz. II 35e. Knothe, S. 66. 7) Weshalb Knothe a. a. 0., S. 67, nicht daran zweifelt, dass sich weder welche eingefunden haben, weiss ich nicht. Aus den wenigen mir bekannten Stellen, an denen in den SS. rer. Lusat (Neue Folge I, 388; II, 868, 400; UI, S. 6) Juden und Jüdisches erwähnt werden, ist nicht zu er־ sehen, dass in den betreffenden Jahren (1483, 1449 und 1509—1513) Juden in der Oberlausitz ansässig gewesen sind,