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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1897-01-01 · 1897 · page 17

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1897
Date
1897-01-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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IRI
…/2720904-2720977--16-2724609
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der Jude die Aussicht, in absehbarer Frist, wenn nicht unberechenbare Zwischenfälle eintraten, ״sichern Leibes und Gutes“ seine Strasse ziehen zu können. Der Rath erhielt für seine Schutzbriefe wesentlich höhere Beträge als bisher, in wenigen Raten zahlbar, und der Jude blieb, wofern nur der Schutzbrief bezahlt war, von jeder weiteren ״Beschatzung und Bede“ frei. Der Rath konnte nach Gutdünken die Zahl der Juden zu jeder Zeit vermehren oder vermindern, und der Jude, der nach wenigen Jahren auf Nimmerwiedersehen verschwand, durfte hoffen, die leichter und schneller erworbenen Reichthümer in Sicherheit zu bringen. Nichtsdestoweniger wurden für die Juden all die Vortheile bei Weitem aufgewogen durch das unsägliche Elend, das die neue Massregel über sie heraufbeschwor• Erst jetzt begann für diese bemitleidenswerthen Menschen, denen die angestammte Treue gegen die väterlichen Ueberlieferungen von ihren verblendeten Zeitgenossen als ein todeswürdiges Verbrechen angerechnet wurde, das entsetzlichste Unglück, welches denkende und fühlende Menschen treffen kann, das Unglück, unstät und flüchtig und heimathslos auf Erden zu sein. Dazu kam ein Anderes. Verarmung, für jeden Menschen eine schwere Prüfung, war für den Juden jener Tage, der nur für baares Geld, und zwar für möglichst viel baares Geld bei den damaligen Gewalthabern Duldung und Mitleid finden konnte, einem Todesurtheil gleich1), und die begreifliche Angst davor musste jeden, der Vater und Mutter und Weib und Kind vor dem Aergsten retten wollte, mit dem gierigen, aber in diesem Zusammenhange verständlichen Heisshunger erfüllen, Geld und immer dass die gewaltsame Entführung nur erfolgt sei, weil der Sehweidnitzer Herzog solcher respectabler Steuerkräfte nicht verlustig gehen wollte.!Jeher ähnliche Vorgänge in Böhmen vgl. Jacobi, cod. episfc., No. 138 und 151! Ebenso hatten nicht selten Juden von fremden Landesherren, die mit ihren eigenen in Fehde lebten, eine gewaltthätige Behandlung zu erfahren. So Mess z. B. Ludwig I (IX, 2), erzürnt über seinen Bruder Wenzel (IX, 1), weil dieser u. A. Goldberg an einen Juden versetzt hatte, den betreffenden Juden, als er 1855 durch Liegnitz kam, abfangen, und Jahre lang in Lüben gefangen halten, bis endlich 1855 durch den Kaiser ein Vergleich zu Stande kam (Thebesius, Liegnitz’sche Jahrbb. II, 213. Schönwälder, I, 178. Sammter, Chronik von Liegnitz^I, 254 ff. Stenzei, SS. rer. Siles. 1,148.) Etliche Jahre später hatte Conrad II von Oels (HI, 2) einer Jüdin von Cosel gewaltsam Geld abgenommen, das eigentlich einem Peiskretschamer Juden gehörte, worüber des Letzteren Landesherr Przemislaus von Teschen (VH, 7) sich heftig beschwerte. Ein fürstliches Schiedsgericht Fällte schliesslich das Urtheil, dass der Jude sich selbst sein Recht suchen möge (Sommersberg, diplomat. Boh.-Siles. I, 1003. Z. VI, 81, No. 735). *) Vgl. Güdemann, a. a. O. S. 175 f.

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