Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1896
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 59)
- Language
- German
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2 und Gedenkrede, die Herr Dr. David Rosin s. A. in seiner Ordnungsliebe und Gewissenhaftigkeit bereits aufgesetzt hatte, las der Unterzeichnete vor. Daran schloss sich die feierliche Entlassung der Herren Candidaten Dr. J. Finkeischerer, Dr* S. Posner und Dr. S. Silberstein unter Ueberreichung der Rabbinatszeugnisse, worauf Herr Dr. Posner Abschiedswörte an die Lehrer und Studiengenossen richtete. Zur Bewerbung um den Joseph Lehmann’schen Preis ,war wiederholentlich die Aufgabe gestellt: Verlauf des Kosakenkrieges unter Chmielnicki während der Jahre 1648 und 1649 mit besonderer Berücksichtigung der jüdischen Quellen.“ Eine Arbeit war eingegangen mit dem Motto: ת״ר מי כתב מגילת תענית אמרו חנניה בן חזקיה וסיעתו שהיו מחבבין את הצרות אמר רשב״ג אף אנו מחבבין את הצרות (Schabbat 13b). Der Verfasser der eingelieferten Arbeit hat, anstatt sich darauf zu beschränken, in knappen, scharfen Umrissen die Ursachen und die Veranlassung des Kosakenaufstandes quellenmässig darzustellen, und sodann innerhalb dieses Rahmens unter steter sorgsamer Vergleichung der in den letzten Jahren zugänglich gemachten zahlreichen hebräischen Quellenschriften den Verlauf der Erhebung zu erzählen, in breitester Ausführlichkeit mit Hilfe mühsam herbeigeschafften gedruckten und ungedruckten Materials über die Wohnsitze und die Geschicke der Kosaken von den ältesten Zeiten bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts, über die wechselnde Behandlung, die sie von der polnischen Krone und dem polnischen Reichstag erfuhren, über die politischen und religiösen Zustände des polnischen Reiches während dieser Zeit und über die Abstammung und das Vorleben Bogdan Chmielnickis gehandelt und dabei allerdings manche falsche Anschauung glücklich berichtigt und manche Einzelheiten in neuem Lichte erscheinen lassen. Nur nebenher wird ein kurzer Blick auf die Ansiedelungen und die äusseren Schicksale der Juden in jenen Gegenden geworfen. Von ihren inneren Zuständen, von den Interessen ihres religiösen, ihres Gemeinde- und Familienlebens, von ihrem Bildungsstand, von ihrem erstaunlichen Fleiss auf dem Gebiete ihrer nationalen Studien und von ihren hervorragenden litterarischen Leistungen in diesem Bereich ist kaum mit einem Worte die Rede. Dazu kommt, dass die Geschichte des Aufstandes nur bis zum Gemetzel in Niemirow am 10. Juni 1648 geführt ist. Für den Rest liegen nur die Exzerpte und Notizen vor, die der Verfasser beiläufig mit anerkennenswerthem Fleisse für die Ausarbeitung vorbereitet hat.