Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1896
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Vorwort. cAJie erste Anregung zur Beschäftigung mit der Geschichte der Juden in Schlesien gab mir die reiche Materialiensammlung, die mein vereinigter Freund Dr• Hermann Kühn, [geh. in Eidlitz in Böhmen am 1. April 1843, gest. in Breslau am 30. October 1870] hinterlassen hat. Sie umfasst über siebenhundert Quartseiten. Mit rührendem Fleiss hat darin der Heimgegangene in seiner gleichmässigen zierlichen Handschrift zahlreiche Urkunden des hiesigen Königl. Staats-Archives und des Stadt-Archives — darunter die sämmtlichen van L. Oelsner veröffentlichten und alle van Stöbbe herausgegebenen, auf Juden bezüglichen Mittheilungen aus Breslauer Signaturbüchem — wörtlich abgeschrieben und den gesammten ihm erreichbaren Stoff in meist wörtlichen und überall sehr zuverlässigen Auszügen aus den Schriften von etwa fünfzig Autoren, vom alten Curäus an bis auf den im August 1870 vor Metz gefallenen Dr. Georg Korn zusammengetragen. Warum er seine Excerpte so ausf ührlich, als ob es gedruckte Bücher nicht gäbe, angelegt hat, kann begreifen, wer einmal erfahren hat, wie es thut, fern von den wissenschaftlichen Hilfsmitteln, welche die Universitätsstadt darbietet, arbeiten zu müssen. In eine solche Lage muss sich wohl der durch einen vorzeitigen Tod der Wissenschaft zu früh entrissene Freundy dessen gründliehe Untersuchungen über die vböhmischen Theobaldeu noch heute mit Achtung und Anerkennung genannt werden, hinein gedacht haben. Im Jahre 1871 übernahm ich, selbst noch ein Lehrling, seinen litterarischen Nachlass. Erst nach Jahren, nachdem ich mir Begesten und alphabetische Verzeichnisse der Personen- und Ortsnamen angelegt 11attey gewann ich einen Ueberbliek über den verarbeiteten Stoff, der häufig, nach Maassgabe der benutzten Hilfsmittel, denselben Gegenstand in drei- bis vierfach verschiedener Form darbot. Durch eigene Studien in den hiesigen Archiven, besonders von 1877—1883 und nachher wieder seit 1892, wuchs mir dann das Material unter den Händen bis auf das Doppelte des ursprünglichen Umfangs und darüber an. Daneben waren die wissenschaftlichen Leistungen, die von einheimischen Gelehrten auf dem Gebiete der Provinzial- und Localgeschichte seit 1870 mit musterhaftem Fleisse geschaffen