Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- – (sequence 57)
- Language
- German
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V Ein besonderer Freudentag für das Seminar war der 27. Mai. An diesem Tage vollendete der Senior unseres Collegiums, Herr Dr. D. Ros in, sein 70. Lebensjahr. Die Feier begann mit einem Festgottesdienst in der mit Blumen geschmückten Seminar- Synagoge. Die Festpredigt hielt Herr cand. phil. Leo Fränckel. Darauf bestieg der Jubilar tiefbewegten Herzens die Kanzel, um seinen Empfindungen beredten Ausdruck zu verleihen. Am folgenden Tage überreichte das Curatorium der Fränckel’schen Stiftungen und das Lehrer-Collegium Glückwunschadressen. Die letztere Adresse hatte folgenden Wortlaut: Hochgeehrter Herr Doctor! Zu dem Freudenfeste, das nicht sowohl Sie, als vielmehr die zahlreiche Schaar der Ihnen zugethanen Freunde und Verehrer feierlich begeht, bringt der Lehrkörper der Anstalt, an deren Entwickelung und Hebung Sie reichen Antheil haben, und an der Sie nunmehr länger als ein Vierteljahrhundert mit hingebungsvoller Liebe und mustergiltiger Pflichttreue wirken, Ihnen, seinem ältesten Mitgliede und Meister, dem Senior der jüdischen Wissenschaft, seine herzlichsten Glückwünsche dar. Wir, ehemalige Zöglinge des Seminars, die wir uns jetzt mit freudiger Genugthuung Ihre Amtsgenossen nennen, empfinden um so tiefer das Bedürfniss, Sie heute zu beglückwünschen, als wir während der Zeit unseres Zusammenwirkens am Besten Gelegenheit hatten, uns von Ihrer rastlosen und erspriesslichen Thätigkeit für die Verbreitung, Bereicherung und Förderung der jüdisehen Wissenschaft, von Ihrer gewissenhaften, segensreichen Wirksamkeit für das Gedeihen dieser Anstalt und Ihren edlen, liebevollen Bestrebungen für die geistige Entwickelung und die materielle Wohlfahrt Ihrer Schüler zu überzeugen. Die Rücksichtsnahme auf Ihre bescheidene, fromme Denkart darf uns nicht hindern, die dankbare Anerkennung für diese Ihre Verdienste und Leistungen Ihnen gänzlich vorzuenthalten. Im Dienste der jüdischen Wissenschaft ergraut, sind Sie, hochverehrter Herr Doctor, unablässig bemüht, mit jugendlicher Frische und Schaffensfreudigkeit durch Wort und Schrift dieselbe zu fördern, und so geben wir der Hoffnung Raum, dass es uns mit Gottes Beistand beschieden sein wird, uns bis in Ihr spätes Alter Ihrer Collegialität und Freundschaft, Ihrer erfolgreichen Thätgkeit und Ihres weisen Rath es zu erfreuen. Gott erhalte Sie Ihren Angehörigen zum Stolze, unserer Anstalt zur Zierde, zum Wohle der jüdischen Teologie und zur Freude Ihrer Verehrer und Freunde, Ihrer Schüler und Amtsgenossen. Das Lehrer-Collegium des jüdisch-theologischen Seminars. Hierauf erschienen zur Gratulation Vertreter der Hörer des Seminars und der einzelnen am Seminar bestehenden Vereine, das Rabbinat, Mitglieder des Vorstandes und der Repräsentanten der hiesigen Synagogen-Gemeinde und Deputationen der verschiedenen Vereine, deren Vorständen der Jubilar angehört. Auch von auswärts liefen vom In- und Auslande zahlreiche briefliche und telegraphische Glückwünsche ein. Am Abend fand, unter lebhafter Betheiligung zahlreicher Mitglieder der Gemeinde, ein Festessen statt, zu dem auch Schüler des Jubilars aus weiter Ferne herbeigeeilt waren. Am Abend des 30. Mai wurde von den Herren Commilitonen zu Ehren ihres Lehrers ein Festcommers veranstaltet.