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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1894-01-01 · 1894 · page 4

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1894
Date
1894-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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IRI
…/2720904-2720983--03-2724397
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li ' " ' sehr energisch zurückwies, inwiefern die h. Schrift und die Beligion des Judenthums etwa den Lehren der Philosophie untergeordnet und nach der TJebereinstimmung mit derselben beurtheilt oder umgedeutet werden sollte; in seiner eigenen Darstellung der jüdischen Beligion aber den durch eingehendes Studium der Philosophie geschulten Denker nicht verläugnen konnte und in indifferenten Fragen sich den Meinungen des altern Kalam und der peripatetischen Schule Ibn Sina’s unbedenklich anschloss. Von dieser philosophischen Bichtung der genannten Dichter blieb deren Poesie nicht unberührt. In nicht wenigen gottesdienstlichen Gedichten werden philosophische Lehren geradezu vorgetragen oder doch angedeutet, indem so die philosophische Erkenntniss in den Dienst der Beligion genommen und als Mittel der Gotteserkenntniss benutzt wird. In dieser Sammlung sind nun Proben einer solchen Benutzung der Metaphysik, Kosmologie und Anthropologie, dann aber auch der Geschichte Israels zum Zwecke der Erbauung vorwiegend dargeboten. Die erforderlichen Erläuterungen und Nachweise enthalten die beigefügten Anmerkungen, Vor- und Nachbemerkungen. Die gegebenen Stücke aber habe ich so gruppirt, dass nach einem einleitenden Gedicht allgemeiner Art zuerst eine Beihe von Gedichten die Lehre von Gott und seinem Walten, dann eine andere die religionsphilosophische Betrachtung der Welt, hierauf eine Gruppe die Lehre vom Menschen und schliesslich eine grössere Zahl die Stellung und Bedeutung, die Leiden und die tröstlichen Hoffnungen Israels zum Inhalte haben. Innerhalb der genannten Gruppen erscheinen einige Gedichte, nämlich die No. 2.17.18. 20 (grösstentheils). 21. 22. 23.24 (theilweise). 27 hier zum ersten Male im Druck; für andere sind handschriftliche Quellen oder die sämmtlichen mir erreichbaren Druckwerke zur Berichtigung des Wortlautes benutzt worden. Einige Beispiele mögen noch die oben angedeuteten Gesichtspunkte für die getroffene Auswahl näher bezeichnen. No. 4 (S. 5) hat wegen der überraschenden Benutzung geläufiger Bibelstellen als Befrains für den Kundigen einen grossen Beiz. No. 6 (S. 8) ist unter Anderem wegen der vielfach verschlungenen Beime, die deshalb auch mitten in den Worten eintreten, merkwürdig. No. 10 (S. 14) führt im Hebräischen ein schwieriges Versmass ohne Härte durch. No. 11 (S. 15) liefert die Probe einer Zahlensymbolik. No. 15 und 16 (S. 23 und 25) führen die Anthropologie der damaligen Zeit in kurzer Fassung vor. No. 19 (S. 29) giebt ein erschütterndes Bild jüdischer Leiden und ist als historische Quellenschrift eines Zeitgenossen zu schätzen. In No. 20 (S. 32) und anderen darauf folgenden Gedichten wird die allegorische Deutung des Hohenliedes zur Tröstung und Ermuthigung des bedrängten Israel geschickt und kühn benutzt. No. 24 (S. 39 ff) ist eines der klangreichsten Eliaslieder, über die die Vorbemerkung daselbst das Erforderliche besagt. Es schildert, wie die meisten Gedichte unserer vierten Gruppe, die von den Propheten verkündete messianische Zeit eines Gottesreiches und einer Herrschaft der Tugend und des ewigen Friedens auf Erden zugleich als eine Zeit der richtigen Würdigung, des Ansehens und der Selbständigkeit für das seinem Gotte treu gebliebene Israel, also in einer Weise, wie die Glaubensgenossen unseres Dichters, wahrscheinlich ohne erhebliche Ausnahme, sich von jeher zu ihrem unentbehrlichen Tröste die Zukunft dachten. Manches in diesen Gedichten für unser Gefühl zu herbe Wort findet seine volle Erklärung in dem Umstande, dass Abr. IE zur Zeit der Kreuzzüge und der fanatischen Almobaden lebte und schrieb. Man darf überhaupt nicht vergessen, dass alle diese Gedichte dem Mittelalter entstammen, und dessen Eindrücke und Wirkungen naturgemäss wiedergeben. — Als Proben einer ungewöhnlichen Vers- und Beimkunst mögen unter anderen schliesslich No. 26 und 28 (S. 43 und S. 46) dienen.

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