Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Vorwort Die Reime und Gedichte des Abraham Ihn Esra liegen, soweit dieselben a us sergottes dienstlich er Natur sind, in den vier Heften des ersten Bandes vor. Es galt eine möglichst vollständige Sammlung aller mir zur Zeit bekannten und zugänglichen Stücke aus Druckwerken oder Handschriften herzustellen. Das nunmehr erscheinende Heft ist den gottesdienstlichen Poesien gewidmet, deren Zahl jedoch so gross ist, dass ich an eine Vollständigkeit der Sammlung und Bearbeitung derselben überhaupt nicht denken kann, auch abgesehen von dem bei dieser Klasse von Gedichten kaum vorauszusetzenden gleichen Interesse und Bedürfnisse. Ich habe mich deshalb auf eine Auswahl beschränkt, welche eine Probe der schönsten und gelungensten, der lehrreichsten oder eigenthümlichsten Gedichte darbietet. Es handelt sich nicht darum, diejenigen gottesdienstlichen Poesien vorzuführen, welche lediglich die andächtige Stimmung auszudrücken oder anzuxegen geeignet sind und welche nur den mannigfachen Wünschen, Sorgen und Bedürfnissen des Beters einen lebendigen Ausdruck verleihen: das wäre die Aufgabe eines aus solchen Poesien zusammengesetzten Gebetbuches, das hier nicht beabsichtigt werden kann. Es ist der anderweitige Inhalt, was neben der Eoxm vorzugsweise für die Auswahl massgebend war. Abraham Ibn Esra war, wie die Dichterfürsten seiner Zeit, seine älteren Ereunde und Zeitgenossen Moseh Ibn Esra und Juda halevi nicht nur ein hochbegabter Dichter: er war zugleich ein Denker, ein Mann der Wissenschaft, ein Anhänger und Kenner der Philosophie seiner Zeit. Es war die Zeit, da die Aristotelische Philosophie nach der Auffassung ihrer arabischen Commentatoren und Vertreter Alfarabi, Ibn Sina und AA. in Spanien einen siegreichen Kampf gegen den Neuplatonismus führte. Abraham Ibn Esra folgte noch den Lehren der Neuplatoniker, wie etwa ein Jahrhundert früher der erste vollendete Meister der hebräischen Poesie in Spanien, Salomo Ibn Gabirol, — ohne jedoch in einzelnen Punkten für die Ansichten der gegnerischen Schule sich unzugänglich zu zeigen. Alle die genannten grossen Dichter waren zugleich philosophische Schriftsteiler, Juda halevi nicht ausgenommen, der zwar Aristoteles und die Philosophie