Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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giebt1), Rath und Auskunft ertheilt. In hohem Grade zweckentsprechend sind unter allen bisherigen Leistungen nur die trefflichen Bücher Kornicks2) und Loebs3). Leider giebt jedoch keines von beiden auf alle chronologischen Fragen einen vollkommen ausreichenden Bescheid. Wer z. B. über den Molad eines beliebigen jüdischen Monats oder über die Umwandlung eines nach dem Wochenabschnitte (Perikope) gegebenen Datums in das Monatsdatum Belehrung sucht, wird vergeblich bei Kornick4 5), und wer, ohne sich auf umständliche Rechnungen einzulassen, über jüdische Daten vor 8006) oder über julianische Daten nach 1582 6) der christlichen Zeitrechnung Belehrung wünscht, wird vergeblich bei Loeb Rath und Auskunft suchen. Die Vorzüge beider Bücher auf knappem Raume in klarer Uebersicht und handlicher Form zu vereinigen, ist die bescheidene Aufgabe, die sich die vorliegende Arbeit gestellt hat. Sie beabsichtigt keineswegs die zwischen den gelehrten Chronologen streitigen Fragen zu entscheiden, sondern geht einzig und allein darauf aus, dem Historiker zuverlässige Handlangerdienste zu leisten. Sie will dem Benutzer, der neben der nothwendigen Aufmerksamkeit die Fähigkeit mitbringt, benannte Zahlen zu addieren, richtige und bestimmte Antwort auf folgende Fragen geben: 1) Wie findet man innerhalb des Zeitraumes von 4118 bis 6000 nach Erschaffung der Welt (anni mundi oder anni judaici) 358 bis 2240 nach christlicher Zeitrechnung den Kalender eines gegebenen jüdischen Jahres? (Aufgaben 1 und 2.) *) Ueber den Zeitpunkt seiner Einführung sind bekanntlich die Chronologen nicht einig. Vgl. Schwarz, der jüdische Kalender, historisch und astronomisch untersucht, S. 37—46. Wir folgen der vulgären Ueberlieferung, dass Hillel II. im Jahre 4118 der jüdischen Weltaera — 358 der chiistlichen Zeitrechnung, den festen Kalender eingeführt habe. 2) Es ist betitelt ״System der Zeitrechnung in chronologischen Tabellen“ und erschien im Jahre 1825 in Berlin. Vom jüdischen Kalender handeln darin die SS. XXVII bis XXXII und SS. 99. bis 121 A. 3) Der Titel steht oben S. 3, Anm. 1. Es erschien 1886 in Paris. 4) Dazu kommt, dass das Kornick’sche Buch seit Jahrzehnten vergriffen ist. Auch sind seine Angaben keineswegs von tadelloser Richtigkeit. Eine Anzahl von Versehen hat Loeb a. a. O. S. 3 und eine weit grössere Brann in seinem ״Jahrbuch zur Belehrung und Unterhaltung“, 37. Jahrgang, (1890), S. 65 f., und 38. Jahrgang (1891), S. 107, nachgewiesen. 5) Genaue Monats- und Jahresdaten aus der Zeit vor 800 der christlichen Zeitrechnang sind keineswegs so selten wie Loeb, a. a. O. S. 6, es darstellt. Man vergleiche z. B. das bekannte historische Sendschreiben Scherira״s (ed. Neubauer) S. 34. 6) Es vergingen bekanntlich nach 1582 noch mehr als anderthalb Jahrhunderte» bis der verbesserte (gregorianische) Kalender in allen Ländern eingeführt wurde. In Russland, Griechenland u. s. w. gilt officiell heute noch der julianische Kalender.