Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1887
- Date
- 1887-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2720904-2720997--02-2723963- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Reime und Gedichte des Abraham Ihn JEsra, deren erste Fort• Setzung in dem vorliegenden Hefte veröffentlicht wird, bilden, wie schon das erste Heft (Breslau, Köbner 1885; vorher als Abhandlung zum Jahresberichte des jüdisch-theologischen Seminars in Berslau für 1885) gezeigt hat, nicht eine Gedichtsammlung gewöhnlicher Art, wobei der poetische Werth und der ästhetische Genuss bei der Auswahl wie bei der Beurtheilung von entscheidender Bedeutung sind. Wenigstens bietet die aus3ergottesdienstliche P0e3ie in ihrer ersten Abtheilung, welche den grössten Theil dieses Heftes noch eianimmt, einzelne Stücke oder Stellen, deren Werth lediglich geschichtlicher Natur ist, sei es» um die Lebensbeziehungen, oder um die schriftstellerischen Schöpfungen des genialen Mannes anschaulich zu machen oder mit grösserer Sicherheit festzustellen. Einzelne winzige JStücke, wie gerade die Reime auf der ersten Seite die3es Heftes, mussten der Vollständigkeit halber an ihrer Stelle eingereiht werden, weil hierdurch ein möglichst getreues Bild von der Fülle, theil weise auch von der Reihenfolge der literarischen Arbeiten des I. E., zu denen sie gehören, ermöglicht wird, und weil auch nur so in überzeugenderWeise unechte und irreleitende Stücke für immer ausgeschieden werden konnten (vgl. z. B. S. 77 A 7), wie denn auch sonst die Gelegenheit an einzelnen Stellen benutzt worden ist, um biographische Fragen oder die chronologische Frage, betreffend die Abfassungszeit mancher Schriften, an der Hand dieser Veröffentlichung in Anmerkungen oder Nachbemerkungen schon jetzt zu erledigen. Indessen wird man selbst in der genannten ersten Abtheilung, welche aus den Reimen und Versen im Anfänge oder am Schlüsse literarischer Arbeiten besteht, anziehende und echt poetische Stücke oder Stellen nicht ganz vermissen. Sehr werthvoll wegen seines lehrreichen Inhaltes ist auch in diesem Hefte ein grösseres Stück, die gereimte Einleitung zu dem unvollständig erhaltenen Pentateuch-Commentar (S. 56 ff.). Diese Einleitung, seit Kurzem erst im Druck erschienen, daher noch wenig bekannt und Manchen durch die gegenwärtige Sammlung erst zugänglich, enthält einen für da3 zwölfte Jahrhundert gewiss merkwürdigen Beitrag zur Geschichte der Schriitauslegung und zur Hermeneutik, indem sie die Leistungen und die Methode der vorangehenden Hauptvertreter und Haupt rieht ungen der Exegese in scharfen und lebensvollen Umrissen zeichnet und zugleich beurtheilt. Es ist im Wesentliehen dieselbe Aufgabe, welche sich Ihn Esra in der gangbaren Einleitung zu dem vollständigen Pentateuch-Commentar. (Heit I S. 23 ff.) gestellt hat. Haben nun aber auch die beiden Einleitungen im Grossen und Ganzen gleichen Inhalt und dieselbe Darstellungsweise, so dienen sie doch» neben einander gestellt, zu gegenseitiger Erläuterung und Ergänzung, indem in der einen Manches weiter und klarer ausgeführt wird, was die andere nur andeutet, und indem die lehrreichen Beispiele in beiden theilweise verschieden sind. Dens kundigen Leser aber gereicht es zum Genüsse, denselben Lehrstoff in einer zweiten, gleich sprachgewandten, gleich lebendigen und geistvollen Weise behandelt m finden. — Im Uebrigen ist, wie im ersten Hefte, der hebräische Wortlaut der