Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1886
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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JJie Umbildung und Veredelung des griechischen Götterglaubens gehört zu den bedeutsamsten Leistungen der alten Philosophie. Es ist für den Geschichtsforscher wie für den Theologen und Philosophen von gleich hohem Interesse, zu sehen, wie auf dem Boden einer polytheistischen Religion und inmitten eines polytheistisch gesinnten Volkes neue helle Gedanken über die Gottheit auftauchen, wie sie zu immer grösserer Klarheit und Bestimmtheit sich emporringen, die trüben Vorstellungen und phantastischen Gebilde der Volksreligion zurückdrängen und den höchsten und reinsten Ideen nahe kommen, welche der Menschengeist jemals gebildet hat, wie sodann aber eine verwegene metaphysische Speculation sich selbst überfliegt und im Streben nach immer feinerer Ausgestaltung und Sublimirung des Gottesbegriffes ihn zuletzt zu einem blossen Schatten seiner selbst verflüchtigt. Jede Phase dieser fast tausend Jahre füllenden geistigen Entwickelung verdient sorgsame Beachtung \ wahrhafte Bewunderung aber erregt der Mann, der gegen Ende des sechsten vorchristlichen Jahrhunderts an die Spitze dieser Bewegung sich gestellt1, der den Muth gehabt hat, dem irren Glauben der Vorfahren und den unklaren Meinungen der Menge seine eigenen tiefsinnigen Anschauungen gegenüber zu stellen: Xenophanes von Kolophon. Die Stellung, die dem kühnen, vorurtheilsfreien Denker in der Geschichte der Gottesidee anzuweisen ist, scheint eine durchaus feste zu sein. In allen wesentlichen Punkten übereinstimmend erklären die Darsteller und Beurtheiler seiner Philosophie, dass Xenophanes es gewesen sei, der an die Stelle einer vielfach getheilten, sündhaften, anthropomorphen Götterwelt den Begriff göttlicher Erhabenheit, Vollkommenheit und Unvergänglichkeit gesetzt und dass