Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1884
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 43)
- Language
- German
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111 einzelnen Gemeinden, mit selbstloser Hingebung und lauterem, idealem Sinne, mit Begeisterung und Besonnenheit, mit Eifer und Ausdauer, mit Wärme und Wörde, mit Ueberzeugungstreue und Friedensliebe, mit inniger Pietät für unsere heiligen Traditionen und verständnisvollem Blick für die Ansprüche der Gegenwart ihrem Berufe sich widmen, und für die Erhaltung unserer Lehre, für die Wahrung des jüdischen Lebens, für die Hebung des religiösen Sinnes und für wahre, nach innen gerichtete Frömmigkeit einzutreten und zu wirken suchen? Die Lösung letzterer Frage, die beim Antritt meines Lehramtes mein Inneres mächtig bewegen muss, hängt vorzugsweise, meine jüngeren Genossen, von Ihnen ab, und können Sie die Aufgabe dieser Anstalt, des Lehrkörpers desselben, vielfach erleichtern, wenn Sie in der angegebenen Weise, für Ihren künftigen Beruf Sich vorbereiten wollen. Auf Dich aber, o Herr, vertraue ich, dass Du mir beistehen wirst, den hier übernommenen Verpflichtungen nach meinen schwachen Kräften nachkommen zu können; verleihe mir Einsicht und Kraft, dass ich in Deinem Geiste hier lehre und wirke. והאר מינינו בתורתך ודבק לבנו במצותיך ויחד לבבנו לאהבה וליראה את שמך אמן♦ Am 27. Januar, dem Sterbetage des verewigten Stifters Janas Fränckel, wurde die Gedächtnissfeier wie alljährlich begangen, bei welcher Prof. Graetz die Gedächtnissrede hielt. Daran schloss sich die Vertheilung des Lehmann’schen Preises für eine Arbeit über ein vom Lehrer-Collegium gegebenes wissenschaftliches Thema aus dem Gebiete der jüdischen Theologie. Die Preisaufgäbe lautete: Darstellung des inhaltlichen und formalen Verhältnisses des Buches Sirach zu den Salomonischen Sprüchen und der religiösen, gesellschaftlichen und politischen Zustände und Stimmungen, welche dieses Apokryphon erkennen lässt. Eine Arbeit ist dafür eingegangen, welche einen aus dem Griechischen in’s Hebräische zurückübersetzten Vers aus Sirach zum Motto hat: לא נמת הקדמונים החכמה והאחרונים לא ישיגוה Der Verfasser hat die Aufgabe allseitig befriedigend gelost. Er hat sich mit dem Inhalt des apokryphischen Buches vollkommen vertraut gemacht und das einschlägige Material berücksichtigt. Die Methode, die er bei der Bearbeitung angewendet hat, ist lobenswerth. Die Darstellung ist sachlich und angemessen gehalten. Auch das textkritische Material, so weit es zur Lösung der Aufgabe nothwendig ist, hat der Verfasser hineingezogen und richtig behandelt. Auszusetzen sind nur an der Arbeit die absprechende Beurtheilung der historischen Zuverlässigkeit des Geschichtschreibers Flavius Josephus und einige Widersprüche in der Charakterisirung. Doch beeinträchtigt diese Ausstellung nicht den Werth der Leistung. Aus diesen Gründen hat das Lehrer-Collegium dem Verfasser den vollen Preis zuerkannt.