Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1883
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 72)
- Language
- German
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III_ immatriculirt und 5 sind als Doctoren der Philosophie promovirt. Diese erfreuliche Thatsache, sowie der Vorzug, den die im Seminar ausgebildeten Rabbinen in der Regel bei einer Neuwahl erhalten, und endlich die fortdauernde Zuweisung von Legaten und Stipendien für mittellose Seminaristen beweisen selbstredend, dass das Vertrauen auf die religiöse Richtung, welche im Seminar vertreten ist, und auf die Tüchtigkeit seiner Jünger nicht blos ungeschwächt fortdauert, sondern noch zunimmt. Zur Geschichte des Seminars im abgelaufenen Jahre ist Folgendes zu erwähnen: Am 27. Januar, als am Sterbetage des verewigten Stifters Jonas Fraenckel, wurde die Gedächtnissfeier für denselben, wie alljährlich, unter der Theilnahme einer zahlreichen Versammlung begangen. Die Gedächtnissrede wurde von Professor Dr. Graetz gehalten. Daran knüpfte sich die Entlassungsrede bei Ueberreichung von Rabbinats־׳ Diplomen an die Candidaten Dr. Fessler und Dr. Rülf, gehalten von dem verstorbenen Seminar-Rabbiner Dr. Joel, und zum Schlüsse eine Abschiedsansprache des Dr. Rülf auch im Namen seines Collegen an das Lehrercollegium und an die Mitjünger. Im Anschlüsse an diese Feier wurde das Urtheil des Collegiums über die eingelaufenen wissenschaftlichen Arbeiten zur Bewerbung um den Preis der Director Joseph Lehmann’schen Stiftung verlesen. Die Preisaufgabe lautete: ״Darstellung der Lehre von der Willensfreiheit in der älteren jüdischen Religionsphilosophie des Mittelalters“. — Zwei Bearbeitungen dieses Themas waren eingegangen, die eine mit dem hebräischen Motto: הכל צפוי והרשות נתונה und die andere mit dem lateinischen Motto: Et in magnis voluisse sat est. Die erstere bekundet eine liebevolle Vertiefung in die religionsphilosophische Literatur des Mittelalters, eine besonnene Auffassung des philosophischen Problems der Willensfreiheit und eine einfache und gewandte Darstellungsweise. Verfasser giebt zunächst eine kurze orientirende Skizze der geschichtlichen Voraus- Setzungen für die Freiheitslehre des Mittelalters in übersichtlicher Weise und hat sodann die Lehre der judäischen Religionsphilosophen dargestellt, ihr Verhältniss zu einander beleuchtet und eine bescheidene und doch eingehende Kritik an diese Untersuchung geknüpft. Einzelne Unrichtigkeiten sind freilich zu berichtigen. Auch hätte das Verhältniss der jüdischen Anschauungen zu denen