Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1883
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 71)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2720904-2720947--70-2723771- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
II darin, den Talmud in sachgemässer Weise auszulegen und sich von kniffigen Disputationen fern zu halten, welche, wie er sich ausdrückte, ,,mehr verwirrend als aufklärend wirken.“ Das Curatorium und Lehrer ־Collegium, von seinem plötzlichen Tode schmerzlich betroffen, haben ihm einen tiefempfundenen Nachruf gewidmet: ״Das jüdiscli־theologische Seminar, Fraenckel’sche Stiftung, hat durch, den am 7. September er. erfolgten Tod des Herrn Seminar-Rabbiners Dr. Joel einen schweren Verlust erlitten. — Wenn es dem Hingeschiedenen auch nur wenige Jahre vergönnt gewesen, an dem hiesigen Seminar thätig zu sein, so hat er sich dennoch in der kurzen Zeit seiner Amtsführung um die Anstalt grosse Verdienste erworben. Seine umfassende Gelehrsamkeit und seine wahre Frömmigkeit, verbunden mit einer wohlthuenden Milde seines Wesens und einer der Tiefe seiner Ueberzeugung entsprechenden Duldsamkeit, haben ihn zu einem unvergesslichen Vorbild der seiner Leitung anvertrauten Jugend gemacht, welche in ihm nicht nur einen bewährten Lehrer, sondern auch einen väterlichen, stets hilfsbereiten Freund verloren hat. — Uns ist er durch seine Amtsführung, die Reinheit seines Charakters und seine im persönlichen Verkehr bewiesene Liebenswürdigkeit werth und theuer geworden. "Wir werden ihm ein dauerndes, ehrendes Andenken bewahren. Das Curatorium der Commerzienrath Fraenckel’schen Stiftungen.“ ״Das jüdisch-theologische Seminar ist von einem schweren und schmerzlichen Verluste heimgesucht worden. Herr Seminar-Rabbiner Dr. David Joel ist plötzlich verstorben. Seine ungewöhnliche Gelehrsamkeit im talmudisch-rabbinischen Fache, seine herzergreifende Beredsamkeit, unerschütterliche Frömmigkeit, stets bewährte Sittenreinheit und ausserordentliche Herzensgüte machten ihn eben so geeignet zum Lehrer und Muster des um ihn sich schaarenden Schülerkreises, wie theuer und lieb allen denen, welche ihm amtlich oder persönlich näher getreten waren. Das unterzeichnete Lehrer-Collegium beklagt in dem Heimgegangenen einen edlen, liebreichen und pflichttreuen Genossen gemeinsamer Arbeit um so tiefer, als es kaum drei Jahre sich der wohlthuenden Gemeinschaft mit demselben erfreuen durfte. Der Name des Verklärten wird stets gesegnet im Andenken der Anstalt und in unseren Herzen verbleiben. Das Lehrer-Collegium des jüdisch-theologischen Seminars.“ Zu seinem Nachfolger wurde Herr Dr. Israel Levy als Seminar-Rabbiner, bisher Docent an der Hochschule für die jüdische Wissenschaft in Berlin und früher Jünger des Seminars, erwählt und von der königlichen Regierung bestätigt. Derselbe wird sein Amt im April antreten. In der Zwischenzeit hat Herr Kirschner aus Loslau die Vertretung für die talmudischen Fächer freundliehst übernommen. Sonst kann das Seminar mit Befriedigung auf das abgelaufene Studienjahr zurückblicken. Die Zahl der Zuhörer hat zugenommen, und was besonders erfreulich ist, seit einigen Jahren sind durchweg solche mit dem Zeugniss der Reife für die academischen Collegien eingetreten. 13 Seminaristen sind zugleich in der Universität