Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1882
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 75)
- Language
- German
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III europäischen Gesammt-Literatur, seiner reichen Kenntnisse auf dem Gebiete des jüdischen Schriftthums und seiner innigen Liebe zur Religion seiner Väter hat Bernays aut Geist und Gemüth seiner Zuhörer im Seminar einen nachhaltig bildenden Einfluss geübt und zur Veredelung ihrer Gesinnung, wie ihres Geschmackes beigetragen. Seine Programmarbeiten für das Seminar: Ueber das Phokylideische Gedicht (1856), über die Chronik des Sulpicius Severus (1861) und Theophrast’s Schrift über die Frömmigkeit (1866), haben als gediegene Forschungen weit über den Kreis des Seminars hinaus Anerkennung gefunden. Das Lehrercollegium hat ihm einen Nachruf gewidmet, der aus der Tiefe seiner Verehrung für Bernays’ ganze Persönlichkeit geflossen ist. ״Die Nachricht von dem jähen, vorzeitigen Hinscheiden des Oberbibliothekars Professor Dr. Jacob Bernays in Bonn hat das jüdisch-theologische Seminar mit tiefer Trauer erfüllt. Von der Begründung unserer Anstalt an bis zum Jahre 1866 hat der Verewigte derselben als ordentlicher Lehrer angehört und in diesen zwölf Jahren für sie mit der ganzen Kraft seines reichen Geistes, mit der Fülle seines stäunenswerthen Wissens, mit wahrer, pietätsvoller Religiosität segensreich gewirkt. Fern von dem Lärm des Tages, entsagend den Genüssen der Welt und selbst dem Glücke des Familienlebens, in wahrhaft antiker Bedürfnisslosigkeit und nie rastender Arbeitslust, lebte er einzig und allein idealen Aufgaben, geistigen Interessen. Epochemachende Schriften werden seinen Namen in ferne Zeiten tragen. Unsere Anstalt wird ihm allezeit als dem Meister des Wortes, dem Muster von Gelehrsamkeit und Frömmigkeit, der lebendigen Verkörperung der Idee, welcher das Seminar geweiht ist, der Vereinigung von Glauben und Denken, von Religion und Wissenschaft, ein treues Andenken bewahren/4 Seine Anhänglichkeit an das Seminar bekundete der Verblichene durch seine letztwillige Verfügung, dass seine hebräische Bibliothek der Seminarbibliothek einverleibt werden soll. Das Lehrer-Collegium hatte auch im abgelaufenen Jahre Gelegenheit seine Anerkennung und Verehrung für drei würdige Rabbiner und einen Privatgelehrten an den Tag zu legen, für Herrn Oberrabbiner Dr. Landau in Dresden und Herrn Rabbiner Dr. Goldschmidt in Leipzig zur Feier ihres 70jährigen Geburtstages, für Herrn Oberrabiner und Professor Dr. Wolff in Kopen-