Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1882
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
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32 Esras’ Zeit der Monat Elul stets neunundzwanzig Tage gezählt hat, beweist eben nicht mehr und nicht weniger, als dass während dieses ganzen Zeitraumes die Beobachtung der Himmelserscheinungen für den Elul eine derartige Länge ergeben habe, und schliesst natürlich die Möglichkeit nicht aus, dass der Gerichtshof jederzeit den Monat, je nach den Aussag*en der Zeugen, auch für einen vollzähligen erklären könne. Daher konnte man iri keinem Falle im Voraus wissen, ob der Monat Elul vollzählig oder mangelhaft gewesen sei, und deshalb mussten die Boten auch im Tischri ausgesandt werden. Allerdings war damit für das Neujahrsfest selbst, da die Boten erst nach Neujahr bei den Auswärtigen ankamen, stets der Zweifel vorhanden, ob es am 30. oder 31. Tage nach Beginn des Monats Elul zu feiern sei. Jedenfalls aber stand durch die Anzeige der Termin des Versöhnungstages und des Laubhüttenfestes mit Bestimmtheit fest. Zu einer Fixirung des Neujahrs für die Auswärtigen gab es demnach kein Mittel. Darum war für diese das Fest stets zweitägig, und zwar feierten sie den 30. und 31. Tag nach Beginn des Elul, weil sie stets im Zweifel blieben, welchen dieser beiden Tage der Gerichtshof als den Anfang des Tischri bestimmt habe 1). Als ersten Tischri zählten sie jedoch immer den ersten Neujahrstag. Hieraus ergiebt sich, dass in den Monaten Siwan, Tammus, Cheschwan, Tebet und Schebat Boten nicht geschickt wurden. Im Siwan bedurfte man der Boten nicht, obschon es das Wochenfest enthält, weil dieses Fest immer am 50. Tage vom zweiten Pessachtage an gefeiert wird. Im Tammus und Tebet wurden aus dem bereits angegebenen Grunde keine Boten abgeschickt. Im Cheschwan und Schebat finden überhaupt wTeder Festnoch Fasttage statt. Die jerusalemische Gemara2) berichtet, dass den Boten zum Zeichen, dass sie wirklich von Jerusalem gesandt, ein Losungswort mitgegeben wurde. Zur Zeit des R. Abbahu war das Wort ״Goalenu“, d. h. unser Erlöser. Einst kamen Boten zu ihm und sagten als Losungswort ״Geulathenu“, d. h. unsere Erlösung. Er sah die Boten als richtige und die Verwechselung der Worte als einen Irrthum an. Ferner wird daselbst erzählt, dass bei R. Berachja stumme Boten eingetroffen seien. Er fragte sie:!) Vergl. Beza 6 a. 22 a. und Evubin 39 a. 2) Rösch hascliana III, 1.