Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 123)
- Language
- German
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_IV Dagegen liebte er es nicht, wenn Tragen aus ganz fremden, anderweitigen Thematen zur Discussion aufgeworfen wurden, es sei denn, dass diese Stellen schon von רבותינו בעלי התום' ז״ל herangebracht waren und somit gewissermassen sich das Heimathsrecht erworben hatten. Die besseren unter uns Schülern machten sich das alte Wort zur Norm 'כי קאי רבי בהא מסבתא לא תשיילו; מיני במסבתא אחריתי (Sabbat 3• b.), nicht als ob das den Meister irgendwie in Verlegenheit hätte bringen können, sondern nur, weil derartige Disputationen in der Regel mehr verwirrend als auf klärend wirken. Ich könnte noch einige Punkte anführen, allein die sind schon weniger individueller, sondern mehr allgemeiner Natur und da werden wir hoffentlich, meine lieben Hörer und ich, uns schon verständigen». Der Unterzeichnete schloss dann mit einigen agadischen Wendungen, die aber, theils als zu weit führend, theils als nur von localem Interesse, hier übergangen werden. Am 27. Januar, am Sterbetage des seligen Stifters, Com״ merzienrath Jonas Fraenckel, wurde die Gedächtnissfeier für denselben wie alljährlich begangen und zugleich drei Candidaten der jüdischen Theologie als Rabbinen entlassen. Herr Dr. Steckeimacher, gegenwärtig Stadtrabbiner in Mannheim, hielt dabei einen Vortrag über das Bleibende in der Religions ־ Philosophie des Buches Kuzari, des Jehuda Halevi. — Der Lehmann’sche Preis für eine Arbeit über ein gegebenes wissenschaftliches Thema aus dem Gebiete der jüdischen Theologie, welches in zwei hintereinander folgenden Jahren aufgegeben worden, «Darstellung der astronomischen Berechnung* und Begründung* des altjüdischen Kalenders nach Maimonides», wurde nach Eröffnung des beigelegenen Couverts mit dem Motto: טובים השנים מן האחד zweien Autoren zuerkannt, dem Dr. Grünwald und Studiosus Münz, die die Lösung gemeinsam ausgeführt hatten. Die preisgekrönte Arbeit zeugte von gründlichem Eingehen in das schwierige, auf Mathematik und Astronomie basirte Thema und von selbstständiger Prüfung der damit zusammenhängenden Vorarbeiten auf diesem Gebiete. Wenngleich die Erklärungen einiger astronomischen Begriffe zu knapp gehalten waren und eine schärfere Präcision der Darstellung wünschenswerth gewesen wäre, so hat dieser Umstand den Werth der gründlichen Arbeit nicht verringert. Am 20. Februar wurde die Gedächtnissfeier für den seligen Direktor Dr. Zacharias Frankel begangen, wobei der Candidat Dr. Bärwald die Gedächtnissrede gehalten hat.