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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1881-01-01 · 1881 · page 118

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1881
Date
1881-01-01
Page
– (sequence 118)
Language
German
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IRI
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115 dann Milderungsgründe anzugeben, damit eine Begnadigung erfolgen könne, darum der Name 1 2איטמן), der Mildernde. — Damit sich aber Niemand einbilde, Gottes Gnade sei ja gross, so könne er immerhin sündigen, er werde sich schon von Gottes Barmherzigkeit Verzeihung erflehen, giebt die Allegorie diesem himmlischen Beamten noch eine Function, nämlich gewissermassen die Akten zu schliessen, mit anderen Worten, die Rechtsverhandlung zum Abschlüsse zu bringen. Darum führt er noch den dritten Namen סערן, der Schliesser, denn «sobald er schliesst, wird nicht mehr geöffnet» (sobald Alles, Recht und Milde, erschöpft ist, hat die Sache endlich ein Ende*). Somit hat dieser Engel für jede seiner Funktionen einen besonderen Namen, man sieht aber leicht, dass der Hauptschwerpunkt des Ganzen darin liegt, dass dieser Engel ebenso berechtigt wie verpflichtet ist, während der Rechts Verhandlung Vortrag zu halten und so ist dessen bezeichnendster Name רוח פסקוניח «der Vortragende Geist3)». Ob es mir gelungen ist, diese dunkle Stelle richtig zu erklären, oder ob sie vielleicht noch anders zu deuten ist, lasse ich dahingestellt, soviel ist gewiss, dass die monotheistische Grundanschauung des Judenthums bei allen Aussprüchen der Rabbinen, und seien diese noch so mystisch angehaucht, bei nur einigem Nachdenken leicht herauszuerkennen ist. אטם׳ איטמן (ג heisst nicht blos «verstopfen», «verschliessen» אטום בריאה (Chulin 47. b.אטם אזנו מזעקת דל ,ו (Sprüche 21. 13), sondern auch «verdunkeln», «verhüllen», «mildern»; vgl. 1) חלני שקפים אטמים. Kön. 6. 4.) «vergittert.» 2) סגר׳ סיבר רץ ist bekannt. Rasch i will verhüten, dass nicht der unjüdische Gedanke aufkomme, Gott könne, selbst wenn er wollte, nach diesem Schlüsse nicht mehr öffnen, darum commentirt er: sobald dieser Engel geschlossen, kann kein anderer Engel wieder öffnen. Dass Raschi gerade Gabriel für denjenigen Engel hält, der hier gemeint sei, rührt wohl daher, dass nachgewiesenermassen Gabriel im Sinne der Rabbinen (im direkten Gegensätze zu LÖwy) ein Freund Israels (אוהב ישראל) ist. 3) Es braucht wohl kaum noch gesagt zu werden, dass die Vorhaltungen des Engels: «Herr der Welt, wenn Abraham und Sara hier zugegen wären u. s. w.» nur folgenden allegorischen Sinn haben können: Wenn Israel es durch seine Schuld So weit bringt, dass Gott ihm seine älteste Abstammung von Götzendienern vorrücken muss, so ist ihm das schon in Rücksicht auf seine Lieblinge, die Erzväter und Erzmütter, die durch diesen Vorwurf gleichsam mit beschämt werden, sehr unlieb; allein diese Vorhaltungen dürfen dessenungeachtet zum Heile Israels nicht ausbleiben. Dies der Sinn der betreffenden Allegorie, die den mehrerwähnten Engel an Gott selbst gleichsam die Frage richten lässt: «Herr der Welt, wenn Abraham und Sara hier zugegen wären, würdest du sie so beschämen? u. s. wt» 8*

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