Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1881-01-01 · 1881 · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1881
Date
1881-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2720904-2720951--007-2723492
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

5 kann, dann konnte solcher Verdacht auf kommen und es konnten solche Prozesse leicht geführt werden. Sieht man hingegen den Grund des göttlichen Verbotes der Zauberei nur darin, dass man die Volksverführer nicht auf kommen lasse, denen es durch ihre Gaukeleien und ihr Blendwerk gelingen könnte, die Massen zum Aberglauben des Heidenthums und zu allen damit verbundenen Gräueln zu verleiten, dann haben solche Prozesse — wenn sie anders noch Vorkommen — eine ganz andere Basis, sie können dann nicht mehr auf einem blossen Verdachte beruhen, nicht auf irgend einer Ketzerriecherei oder Spionage nach dem, was Jemand heimlich in seinem Hause treibt* 1), sondern es muss das Verbrechen der that sächlichen Volks Verführung vorliegen, das aber niemals ganz der Oeffentlichkeit sich wird entziehen können. Es dürften dann solche Prozesse zu den äussersten Seltenheiten gehören, die — wenn sie geführt werden — mit voller Beweisaufnähme, normaler und legaler Zeugenaussage, vor sich gehen müssten. Es können freilich Fälle Vorkommen, wo auch die sogenannte «natürliche Magie» an Leben und Gesundheit Schaden anrichtet. So haben z. B. berühmte Aerzte nachgewiesen, dass einen מלאך של רחמים (s. Raschi z. St.). Was manche Erklärer in das Wort עזאזל hineindeuten, ist Nichts als die Uebertragung späterer Anschauungen auf das alte heilige Schriftwort, und werden wir im Abschn. F. noch darauf zurückkommen. (Der Talmud versteht unter עזאזל einen steilen felsigen Berg, ebenso die neueren Erklärer.) Auch die Stelle (5. Mos. 32, 17) יזבחו לשדים לא אלה spricht nur von dem, was die Götzendiener in ihrem Wahne zu thun pflegen und wird von dem göttlichen Worte nur mit Verachtung und Indignation erwähnt, ja, wie schon Herder richtig bemerkt, wird gerade durch die Bezeichnung לא אלה ihre absolute Nichtigkeit betont. שדים braucht übrigens nicht mit «Dämonen» übersetzt zu werden, sondern richtiger noch mit «Herren», «Götter», s. Gesenius s. v. שד und שוד II; ferner Joel Löwy’s Commentar (ביאור החכם יואל ברי״ל) zu Ps. 106, 37. 1l Auch beim heimlich betriebenen Götzendienste nimmt die Tora als Regel an, dass die Angelegenheit nicht Sache des Gerichtes sei und überlässt die Bestrafung dem himmlischen Richter (ארור האיש אשר יעשה פסל ומסכה תועבת ד ... ושם בסתר* Sämmtliche Sünden, über welche (5. Mos. 27, 15—26) der Fluch ausgesprochen wurde, sind solche, die in der Regel nicht zur Cognition des Gerichtes kommen. S. רשב״ם z. st, und wiederholt ibid. 29, 28 (שאין הדבר ליענש ביר בית דין אלא ביד הקב״ה)• Vgl. Rosin: «R. Samuel ben Meir als Schrifterklärer» S. 103: «Weshalb gerade die angeführten Vergehen bei der Besitznahme Palästina^ mit dem Fluche belegt worden seien, erklärt er sehr gut aus der ihnen gemeinsamen Straflosigkeit vor den* menschlichen Richter.»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.