Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Erwägt man, wie schwer es in alten Zeiten, in denen abergläubische Vorstellungen und Anschauungen allgemein verbreitet waren, für ein einzelnes Volk, ja selbst nur für einzelne Menschen gewesen sein mag, von solchen Vorstellungen und Anschauungen unberührt zu bleiben, oder auch nur theilweise sich ihnen zu entziehen; erwägt man ferner, wie schwer es überhaupt selbst für den grössten Denket ist, so zu sagen, über seine Zeit hinauszugehen; erwägt man endlich, dass selbst in unserem aufgeklärten Jahrhundert es nicht Wenige giebt, die, obschon in religiöser Hinsicht ungläubig, doch allen Arten von Aberglauben verfallen sind, so wird man zugeben müssen, dass das Judenthum im ganzen Laufe seiner Geschichte — die dunkelsten Phasen derselben nicht ausgenommen — verhältnissmässig wenig dem Aberglauben zugeneigt war. Es liegt das einerseits in dem Kern seiner religiösen Lehre, dem Mosaismus, der — wie wir bald sehen werden — nicht nur von allem Aberglauben frei, sondern dessen grösster Feind war. Andererseits liegt es in der grossen Zahl seiner tiefen Denker, die selbst in Zeiten des Mysticismus und der religiösen Schwärmerei sich den Sinn für eine nüchterne Verständigkeit bewahrt haben und unter denen Einige in der That so sehr über ihre Zeit hinausgingen, dass sie noch heute unsere grösste Bewunderung verdienen. Unsere Abhandlung stellt sich die Aufgabe, die verschiedenen Epochen der jüdischen Kulturgeschichte auf ihre Stellungnahme zum Aberglauben zu prüfen, und zwar: A. Die fünf Bücher Mosis. B. Die übrigen biblischen Bücher. C. Die Mischna. 1