Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1877
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 50)
- Language
- German
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48 zur Sittlickeit, aus der Verbindung zunächst aller Genossen, dann aber auch aller Menschen zur sittlichen Gemeinschaft erwächst nach der talmudischen Lebensansicht ein neues kräftiges Motiv zu Gunsten des sittlichen Handelns dadurch, dsss Jedem die Verpflichtung obliegt, in seinem eigenen Lebenswandel die Macht des Sittliehen zur Anschauung und Anerkennung auch in Anderen zu bringen, durch Befolgung von Gesetzen, durch Hingebung und, wo es nöthig ist, durch Aufopferung den Namen Gottes zu heiligen, und nicht durch das Gegentheil ihn zu entweihen. Keinen höheren Werth, keine tiefere Würde, keinen edleren Zweck kennt die talmudische Anschauung an und in dem sittlichen Handeln, als dass es zugleich dazu diene, eine Heiligung des göttlichen Namens herbeizuführen, vollends aber eine Entweihung desselben zu vermeiden. Der Ring unserer Betrachtung schliesst sich also damit, dass die allerhöchste sittliche Natur, d. h. die Heiligkeit Gottes selbst Grund und Quelle des Sittengesetzes sei, und dass eben deshalb die niedrigste Stufe der sittlichen Gesinnung noch die Entweihung des göttlichen Namens zu verhüten habe, das höchste Ziel menschliehen Handelns aber darin bestehe, durch die Sittlichkeit desselben, durch offenkundigen, überzeugungstreuen und Ueberzeugung schaffenden Gehorsam gegen das Sittengesetz den Namen Gottes zu heiligen.