Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 160)
- Language
- German
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vollständig beherrscht, auch bald die rechte Form der Darstellung finden wird, namentlich wenn er als Volkslehrer ,jlieKunst sich angeeignet, einem aus den gemischtesten Elementen bestehenden Auditorium sich verständlich zu machen, was in mancher Hinsicht schwieriger als der Lehrvortrag, vor einem Kreise von gleichbefähigten oder mindestens gleichstrebenden Studien-Genossen. Zu der allgemeinen Erwägung kam aber noch das besondere zurückscheuchende Bedenken, der Nachfolger eines Mannes zu werden, welcher in seltener Genialität eine immense talmudische Gelehrsamkeit mit einer bedeutenden wissenschaftlichen Bildung vereinigte und in epochemachenden literarischen Leistungen Zeugniss davon ablegte. Allein wenn der Genius erst aus den tiefen Schachten der Forschung grosse Goldbarren der Wissenschaft ans Tageslicht gefördert hat, ist es auch der bescheidenen Kraft gegeben, diese Goldbarren zu kleineren gangbaren Münzen auszuprägen und.dadurch weiteren Kreisen zugänglich zu machen. Damit soll aber nicht etwa eine Verzichtleistung auf jede Selbstständigkeit ausgesprochen sein; vielmehr werden; auch wir bei aller Hochachtung und Verehrung, bei aller Pietät und Anerkennung der unsterblichen Verdienste Frankels, die der Herr Stadtrath mit beredtem Munde hervorgehoben, im Interesse der Anstalt für uns nicht minder eine individuelle Berechtigung in Anspruch nehmen müssen. Auch Sie, meine Herren Collegen, in denen ich um die Wissenschaft und das Seminar hochverdiente Männer begrüsse, auch Sie werden nach wie vor für Ihre Individualität weiten freien Spielraum, und nur an dem eigentlichen Zweck der Anstalt wie in der Tendenz ihres Stifters eine selbstverständliche Schranke haben. Richtschnur meines Verhaltens Ihnen gegenüber sei das Wort meines Namensvetters Rabbi Eleasar ben Schamua: «Die Verehrung Deines Collegen grenze an die Ehrfurcht vor Deinem Lehrer», Und so darf ich mich wohl der schönen Hoffnung hingeben, dass es uns in harmonischem Zusammenwirken wie in gegenseitiger Förderung und Ergänzung gelingen werde, das Seminar auf seiner wissenschaftlichen Höhe zu erhalten und , einer gedeihlichen Entwickelung entgegen zu führen. —- Eine wesentliche Bedingung für dessen Blüthe und Gedeihen liegt aber in dem würdigen Verhalten der; stndirenden Jugend, namentlich in Ihrem wissenschaftlichen Eifer, meinp jüngeren Fachgenossen. Denn auch bei der grössten Begabung