Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1876-01-01 · 1876 · page 146

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1876
Date
1876-01-01
Page
– (sequence 146)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2720904-2720961--145-2723087
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

142 stets zu lernen, und den der Schlechten meiden. Einen Ort, wo die Verderbtheit überhand genommen, darf man deshalb zum Wohnsitze nicht wählen und muss, wenn man darin ist, ihn verlassen, sobald die Umstände es erlauben. Giebt es gar keine Möglichkeit zu einem leidlich sittlichen Umgänge, so ist das Einsiedlerleben in solchem Falle vorzuziehen1).׳ 2. Hinsichtlich der Freundschaft führt M.2) im Namen des aBIS- TOTELES3) einen Ausspruch an, der aus den Händen der Uebersetzer oder der für M. maszgebenden Erklärer und Bearbeiter der Aristotelischen Ethik nicht ohne Zuthat und Aenderung hervorgegangen und an ihn gelangt ist. Drei Arten von Freunden gebe es, entsprechend dem dreifachen Gegenstände ihrer eigentlichen Zuneigung4): dem Nutzen, dem Behagen und der Tugend. Auf dem Nutzen beruhe die Zuneigung zweier Geschäftsgenossen oder des Königs und seiner Soldaten. Das Behagen sei entweder Genuss (das An genehme) oder Sicherheit. Der Genuss oder das Angenehme sei Gegenstand der Zuneigung bei Personen verschiedenen Geschlechts; die Sicherheit liebe, wer einen zuverlässigen Freund suche. ~. . . Die Freundschaft aus Tugend aber beruhe auf der gemeinsamen Liebe zum Guten; diese Freundschaft sei die wahre und von ARISTOTELES empfohlene5). — M. selbst kann auch in der Freundschaft uns zum Muster dienen. Offen spricht er berechtigte Vorwürfe gegen seinen Freund Jefet aus, um dann dem Gefühle wärmster Zuneigung desto ף Deot VI, 1. 2; vgl. ob. S. 88, A. 2 u. S. 185, A. 8. 2)•Zu Ab. I, 6. 3) NIE. VIII, 2. sagt arist.: Das Liebenswe rthe (xo cp1X7]xov) sei gut oder angenehm oder nützlich. Dann VIII, 3 Anf.: Diese drei Dinge, das Gute, das Angenehme und das Nützliche, seien der ' Art nach verschieden und danach auch die Liebesäusserungen und die Freundschaften. Es gebe• also drei Arten der Freundschaft, der Zahl nach gleich den der Liebe gewürdigten Dingen. Endlich VIII, 4 erklärt A. die Freundschaft der Guten und Tugendhaften für die vollkommne Freundschaft. 4) Die unverständlichen Anfangsworte der Anführung bei M. zu Ab. I, 6 lauten nach Ar. und B.: ■האהוב אחד הוא ואתה והאוהבים שלשה מינים; ^den anderen Ausgaben und schon in N ist ואתה a^s unverständlich weggelassen worden, ohne dass das Uebrige dadurch erklärlicher wird. Es ist aber ein alter Schreibfehler für: האהוב אחד הוא ואחר האוהבים שלשה מינים• s• die vor• Anm.' s) Die Abweichung von arist. besteht ausser den hinzugefügten Beispielen besonders in der Erweiterung des «Angenehmen» zum Behagen, unter welchem dann das Angenehme als Unterart neben der Sicherheit erscheint.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.