Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 116)
- Language
- German
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112 aus M. ersehen haben1), die wirkliche Theilnahme an der wahren Gotteserkenntniss oder am höchsten Gut. — Jedoch, sagt M. an unserer Stelle weiter, giebt es unter den auf dieser Stufe Angelangten noch verschiedene Grade der Vollkommenheit. VII. Diejenigen nämlich, welche nach ihrer Ausbildung in der Metaphysik ihr Denken von anderen Dingen abwenden und allein auf Gott richten, indem sie die Dinge der Well unter religiösem Gesichtspunkte betrachten, so dass sie in allen ein Zeugniss für Gottes Walten sehen, — sie sind in das Gemach gelangt, wo der König thront2). Das ist die Stufe der Propheten3). Und noch unter diesen giebt es verschiedene Grade. 1. Wer das Materielle in sich gänzlich überwunden und zu solcher Kraft des Geistes gelangt ist, dass er in der Fülle gedanklichen Schauens Gott allein zugewen det ist und bleibt, selig in diesem geistigen Besitze und frei von jedem sinnlichen Bedürfnisse4), von dem gilt das Wort, das die h. Schrift über Mo seh geäussert (2. Mos. 34, 28): «Er weilte dort bei dem Ewigen . . . ass kein Brod und trank kein Wasser5). 2. Andere Propheten besitzen nur die Kraft geistigen Schauens, das entweder ein nahes oder ein fernes, je nach dem Grade ihres prophetischen Banges, genannt wird6).- Dass aber verschiedene Abstufungen in der Prophetengäbe zu denken seien, hatte M. bereits an einer frühem Stelle seines ף■ Vgl. ob. s. 101 ff. 2) tibb. nach Cod. 74 und Glosse in Cod. 78, übereinstimmend mit dem Urtexte: הם אשר באו אל בית מושב המלך• 3) Ebenso stellt ibn sina bei sohahr. II, 281 ff. Haarbr. den Propheten höher als den Weisen. Wie schon alfarabi (s. Steinschneider, A’s Leben und Schriften S. 65) und andere arabische Peripatetiker, so mussten auch die jüdischen Denker den Idealmenschen ihrer Religion, den Propheten, mit dem der Philosophie, dem Weisen, in irgend ein ausgleichendes Verhältniss bringen. Ein richtiges Gefühl hält sie von der vollständigen Verwechselung beider ab. Daher stellt M., wie ibn SINA und Andere, den Propheten nicht auf dieselbe, sondern, ihrem religiösen Gefühle entsprechend, auf eine höhere Stufe. 4) Man vergleiche hiermit, wie arist. (NE. X, 7), allerdings in seiner Weise, von der beseligenden Müsse des theoretischen Lebens spricht. 5) Vgl. Jes. hat. VII, 6. 6) M. führt hiefür Ler. 31, 3 als Beleg an.