Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 114)
- Language
- German
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110 C. Stufen in der!Erlangung de» höchsten Gutes, Die Stufenleiter religiöser und geistiger Entwickelung unter den Menschen von dem Zustande völliger!Rohheit und Abwendigkeit bis zum höchsten Gipfel wahrer Gotteserkenntniss und Gottesgemeinschaft sucht M. am Schlüsse des Moreh1) durch ein Gleichniss anschaulich darzustellen. In der Residenzstadt eines Königreichs erhebt sich ein Palast; darin thront schwer zugänglich der Beherrscher des Landes. Am weitesten ab von ihm weilt die ländliche Bevölkerung. Aber auch in den Strassen der Stadt kehrt ein Theil der geschäftig sich bewegenden Menge dem Palaste den Rücken, da ein entgegengesetzter Weg sie zu ihrem Ziele führt. Andere hätten wohl den Wunsch, in den Palast zu gelangen und vor ihren König zu treten; aber sie sind noch so weit entfernt, dass sie die einschliessenden Mauern des Palastes nicht einmal erblicken können. Wiederum Andere sind schon dem Palaste nahe gekommen; aber noch gehen sie rings herum, um die Eingangspforte ausfindig zu machen. Doch Einige sind schon durch die Pforte gelangt und haben noch den Weg durch den Vorhof zurückzulegen. Näher ans Ziel sind wiederum Andere gekommen, die in den innern Hof getreten und somit bereits in demselben Hause mit dem Könige verweilen, aber noch immer weiterer Schritte bedürfen, um vor den König zu treten und dann ihn aus weiter Entfernung oder in der Nähe zu sehen oder auch sein Wort zu vernehmen oder sogar mit ihm redend zu verkehren. — M. macht nun von dem Gleichnisse folgende Anwendung. I. Den auswärtigen Unterthanen, sagt er, sind vergleichbar die heidnischen Türkenstämme (der damaligen Zeit) im äussersten Norden und die Neger im Süden2), sowie diejenigen, welche inmitten der gesitteten Gesellschaft ihnen ähnlich sind. Sie haben die Stufe 1ג III, 51. צ) Vgl. Mor. III, 29, wo für den Süden die Hindu’s genannt sind. — plato (Rep. IV, 435 E) erwähnt die nördlichen Barbaren als einen lediglich mit Muth begabten Menschenschlag. Ebenso spricht arist. (P0Z. VII, 7) für seine Zeit «den Völkerschaften in den kalten Regionen und in Europa» Muth zu, es fehle ihnen aber dafür an Denkkraft und Kunst, gazzali (M. Zeä. S. 151) sagt, von den Menschen ständen den Thieren am nächsten die arabischen Bedu inen und die Türken, die wild auf Bergen, in Wäldern und Wüsten hausen und der menschlichen Gesittung fern bleiben.