Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 112)
- Language
- German
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108 Streben nach dem Nützlichen im Grunde ebenfalls nur einer Lust, nämlieh einer Lust an der Gesundheit des Körpers u. s. w. dient. Der Mensch muss vielmehr die leibliche Gesundheit und die Verlängerung des Lebens nur als Mittel für sein Seelenleben betrachten, um die etbisehen und dianoetischen Tugenden sich aneignen zu können1), und so sein ganzes sinnliches und geistiges Leben dem höchsten Zwecke alles Menschendaseins gemäss einrichten. Das Studium der zur höchsten Erkenntniss direct führenden Wissenschaft ist natürlich ausser aller Frage־, aber auch die ferner liegenden Discip\inen der Mathematik und Mechanik stehen, als vorbereitende Studien und als Uebungen in der wissenschaftlichen Beweisführung, im Zusammenhänge mit der angegebenen höchsten Aufgäbe2). Ebenso sollen die Worte3) des Menschen nur dazu dienen, seiner Seele oder seinem Leibe Nutzen zu schaffen oder Schaden abzuwehren, oder ihr Gegenstand muss eine Wissenschaft oder eine Tugend, oder auch das Lob einer Tugend und eines Tugendhaften sowie der Tadel eines Lasters und eines Lasterhaften sein. Denn auch der Tadel ist verdienstlich, wenn er vor bösem Beispiel zu warnen bestimmt ist, wie die heilige Schrift selbst bei verschiedenen Gelegenheiten zeigt4 5). 0 Vgl. gazzali, M. Zed. S. 97 f. u. S. 137. 2) Vgl. ibn DAUD, E. r. II, Eint — Bestimmter wird Mor. III, 28 die Erforschung des Naturganzen (Physik im Aristotel. Sinne) als unerlässlich für die Erkenntniss der metaphysischen Wahrheiten, Mathematik und Logik (das. I, 34, Grund 3; II, 23; III, 51) aber als vorbereitende Studien bezeichnet. Ueber die Namen חכמת השמועז und חכמת המוסר für die vorbereitenden Studien s. Kaufmann, Theol d. Bcichja S. 25 Anm. — Die das. angeführten Worte aus mokammez: □המאמצת דעות ב^ו אך scheinen mir auf die Logik sich zu beziehen (vgl. חכמת המוסר והשכל das.) oder auch auf die Uebung in der wissenschaftlichen Beweisführung, welche M. in Perak. V der Mathematik zuschreibt. Dass דעות erst von M. entschieden im ethischen Sinne gebraucht worden ist und dies nicht einmal viel Nachahmung gefunden, ist ob. S. 32, A. 1 gezeigt worden. — Das bei M. hier (in Perak. V) vorkommende כתאב ^מכרוטאת > Tibb.: ספר החרוטים ist das ehemals berühmte Buch «über die Kegelschnitte» des unter Arabern durch Uebersetzung bekannt gewordenen APOLLON1US VON PERGA; s. WOLFF, Moses b. Maimuns Acht Gwpitel, S. 91. 3) Tibbon nach Cod. 73 und dem Arab.: יוכן בדברי האדם uicht בדרכי• 4) M. deutet auf 1. Mos. 13, 13 u. 3. Mos. 18, 3. — Vgl. übrigens bachja’s 5 S. 415. — M. handelt bestimmter über Reden und Schweigen in Deot II, 4. 5 u. sonst.