Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 88)
- Language
- German
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84 Erhaltung dieser regelrechten Verfassung1). Ebenso ist es bei der Heilung sittlich verderbter Menschen2).־ Wer z. B. geizig ist, bei dem genügt es nicht, ihn zu gewöhnlicher Freigebigkeit anzuhalten, sondern er muss gegen seine tief eingewurzelte Neigung so lange und so oft zur Verschwendung gedrängt werden, bis der Hang zum Geiz aus seiner Seele völlig geschwunden und er nahe daran ist, in den Fehler der Verschwendung zu verfallen; dann erst ist es an der Zeit, ihn von der Verschwendung abzulenken3) und nur das richtige Masz der Freigebigkeit und dessen unausgesetzte Uebung von ihm zu verlangen. Ebenso wird umgekehrt die Verschwendung zunächst durch eine Anleitung zum Geize geheilt 4). 2. Aber freilich, fährt M. fort, darf das Heilverfahren im letztgenannten Falle nicht so anhaltend wie in dem zuerst angeführten geübt werden. Man soll z. B. den Verschwender nicht so oft zu Handlungen des Geizes anhalten, wie den Geizigen zu denen der Verschwendung5). Und diese feinere Bemerkung, fügt M. hinzu, ist geradezu Kegel und Geheimniss des richtigen Heilverfahrens. Es darf *) Tibb. nach Cod. 78 und alt. Ausgg.:ונשוב לעשות לו מה שיעמידהו על עןןין 2) Dieser Gesichtspunkt wird von M. (Mor. III, 46) auch zur Erklärung einer Vorschrift im mosaischen Cultus (8. Mos. 1, 2) und einer Bemerkung im Sifra zu 8. Mos. 9, 3 (שעיר עזים• w0 diese Stelle mit 1. Mos. 37, 31 combinirt wird) sowie Mor. III, 49 zur Begründung des mosaischen Strafrechts (5. Mos. 22, 18 f. über י(מוציא שם ףע das er geradezu als ein moralisches Heilverfahren angesehen wissen will, verwendet. Ebenso nennt schon aeist. NE. II, 2 die Strafen eine Art von «Heilverfahren (taxpelat) durch Entgegengesetztes». Von dem ganzen Verfahren spricht ebenfalls schon aeist. NE. II, 9 in gleicher Weise, aber mit Benutzung eines andern Gleichnisses. Er erinnert an krummes Holz, das man nach der entgegengesetzten Richtung biegt, um es gerade zu machen. M. denkt an unserer Stelle in Perak. IV nach dem ganzen Zusammenhänge und nach Peräk. IH wohl eigentlich an körperliche Krankheiten, hält aber seinen Ausdruck — vielleicht mit Absicht — so allgemein, dass derselbe auch auf das Aristotelische Gleichniss hindeutet. Von der moralischen Besserung durch anhaltende Uebung des Entgegengesetzten handeln ferner saadia (Em. X, 3 fol. 95 a Berl.; hier ob. S. 10) und gazzali (Mosn. Zed. Cap. 13, S. 79 f. 87 f.). Abweichend lehrt ibn gebieol (T. midd. han. V, 2 Schl.): allmähliche Abgewöhnung und langsame Steigerung der Zumuthungen sei die zweckmässige Besserungsmethode. ף Tibb. nach Cod. 73: ואז נסלק ידו מפעולות הפיזור• 4) Andere Beispiele s. in Deot II, 2. 5) Tibb. nach Cod. 73 und & N. B. בשנותו פועל הפיזור•