Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 82)
- Language
- German
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78 Leidenden sich an den Arzt wenden und übelschmeckende Heilmittel nehmen müssen ג), wenn sie wieder genesen und damit zu gesunder Empfindung und Neigung .zurückkehren wollen: so müssen auch die moralisch Erkrankten ihr Vorstellen und Begehren in seiner Verkehrtheit erkennen lernen und, Falls sie Rettung finden wollen, sich Heilmittel empfehlen lassen, die zwar nicht angenehm sind, aber sicher zur Heilung führen. Wer hingegen seinen traurigen moralischen Zustand nicht erkennen mag — wie der in den biblischen Weisheits- Sprüchen geschilderte Thor 2) — oder für den erkannten, wie jener Verstockte nach den Worten unserer Lehre3), eine Besserung nicht suchen, sondern seinem Gelüste ungestört nachgehen will, geht sicherlieh ebenso moralisch zu Grunde, wie der leibliche Kranke in gleichem Falle umkommt4). Das hat schon der alte Weisheitslehrer den so gearteten Menschen in Aussicht gestellt 5). Das Nähere aber über die Kunst der moralischen Heilung soll das Folgende lehren. Worte M\ auch an ARISTOTELES' NE. X, 5 über die ungleiche Lust der körperlich oder moralisch Kranken und Gesunden. ג) Tibb. nach Cod. 73, den alten Ausgg. u. dem Arabischen: ויזהירום שידמוהו ערב׳ ויכריחום לקחת דברים הנמאסים והמרים שיבריאו גופותם• Die Worte dazwischen in den späteren Ausgg. sind falsche Zuthat. 2) Spr. 12, 15: «Des Thoren Weg ist recht in seinen Augen u. s. w.» — In den darauf folgenden erläuternden Worten muss es bei tibbon nach Cod. 73 heissen:■מפני שהוא יודיעהו הדרך שהוא ישר באמת׳ לא אשר יחשבהו הוא ישר• 3) 5. Mos. 29, 18. In Deot II, 1 wird dafür Spr. 1, 7 b angeführt. 4) Schon lange vor Aristoteles (s. oben S. 47, A. 3 und S. 77, A. 5) liegt dieses Bild von der moralischen Krankheit der Seele und deren Heilung vielen Aeusserungen in beiden Quellgebieten der Maimonidischen Ethik, in der hebräisehen und in der griechischen Literatur, zu Grunde. So Hos. 14, 5: ארפא משובתם; Ps. 41, 5: רפאה נפשי כי חטאתי; — hom., h. 13, 15: «יגג dxewfAe#a ^aaaov dbteaxai toi eppeves £a&taov. HEROD. 1,167: ßouXopievoi dbc£a«a#a1 ttjv a|j.apTdc8a. EURIP., Orest. 649: ajjt׳apxfav . . . aöixtav x’ ttofAsvos. — Die Weiterführung des von aristoteles hervorgehobenen Gleichnisses in dem Sinne, dass die moralische Krankheit der Seele nach den Regeln der Heilkunde für den Körper zu behandeln sei, wird bei gazzali (Mosne Zedek, 15, S. 86 ff.) wiederholentlich angewendet; ebenso dann bei ibn gebirol (T. midd. han. III, 2; IV, 1), bachja (Herzenspfl. m, 5} S. 159 ff. u. sonst) u. ibn datjd (oben S. 22 u. A. 7 das.). Aber früher als von den eben Genannten war das Gleichniss von alfarabi (Princip. S. 43) in einer dem M. wahrscheinlich hier vorschwebenden Weise durchgeführt worden: וכן פעולות כל מלאכות כאשר היו רעות וגו' (s• das• u• vg1• oben s. 8, A. 1). 6) Spr. 14, 12.